Zwei einfache Übungen reduzieren das Arthrose-Risiko in Ihren Fingern

Wir verbringen viel Zeit am Laptop und am Smartphone. Dabei sind die Finger immer in Bewegung, was zu Gelenkschmerzen führen kann. Die Medizinerin Meike Diessner verrät, wie Sie mit zwei einfachen Übungen das Arthrose-Risiko in den Fingern senken.

Die Evolution ist schon beeindruckend – und verrückt. Oder sind wir es? Einst richteten sich die ersten Primaten auf und erblickten fortan auf beiden Beinen stehend ihre Umgebung. Auf einmal hatten sie zwei Hände frei und konnten Werkzeuge nutzen.

Die Finger wurden immer geschickter und vor gut zwei Millionen Jahren wurden die beweglichen Daumen zum weiteren entscheidenden und greifbaren Faktor, warum wir heute nicht mehr nur Steine, sondern auch Smartphones in den Händen halten und sie mehr oder weniger geschickt bedienen können.

Spannend, aber gerade keine Zeit?

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Denn zum Glück wuchs auch das Hirn mit (zumindest glauben wir das gerne von uns) und wir sorgen mit neuer Technik in immer atemberaubenderem Tempo für weitere Entwicklung und unsere eigene Evolution. Auf allen Ebenen. Guten wie Schlechten. Denn High-Tech kann nicht nur vieles vereinfachen und Krankheiten und Verletzungen heilen. Der Fortschritt bringt auch immer neue Beschwerden mit sich. Soll ja nicht langweilig werden. Peter Müller Meike Diessner ist Sport- und Ernährungsmedizinerin

Über die Expertin

Meike Diessner ist Gründerin der Praxis für Integrative Orthopädie in Bochum und spezialisiert auf konservative Therapiemethoden. Als Sport- und Ernährungsmedizinerin liegt ihr besonders das Thema gesundes Essen am Herzen. Mehr Informationen finden Sie auf ihrer Webseite oder ihrem Instagram-Kanal.

Finger dauerhaft in Bewegung: PC, Smartphone und Tablet

Früher schuftete man sich auf den Feldern kaputt, unter Tage verstaubte die Lunge, Muskeln und Gelenke ächzten. Und heute? Fliegt uns in der hochtechnisierten Welt mit PC, Tablets und Co. der bahnbrechende Daumen immer häufiger um die Ohren. 

Ständig sind wir mit dem Smartphone zugange oder hocken am Laptop: So entsteht auch diese Kolumne hier. Zwar muss ich mir den Buckel nicht mehr an der Schreibmaschine krumm sitzen, wenn sich im letzten Satz doch wieder ein Fehler einschleicht und man von vorne beginnen darf, aber Zwangshaltungen nehmen wir alle ein: am PC, Tablet und Smartphone.

Unermüdlich wischt unser Daumen in Rekordgeschwindigkeit übers Display und unsere Finger werden durch sich ständig wiederholenden Tätigkeiten beim Mailen und WhatsAppen an den Anschlag gebracht. Das alles steigert das Arthrose-Risiko, diesmal konkret in unseren Händen. Nicht umsonst hat es der „Handy-Daumen“ neben dem „Mausarm“ mittlerweile zu einem eigenen Begriff geschafft, obwohl unsere filigranen Greifer und mächtigen Pranken längst nicht so anfällig für Arthrose sind wie Knie und Hüfte.

Klar ist: Wird ein Symptom zum Volksleiden und ihm dazu noch ein einprägsamer Name verpasst, ist das ein zwielichtiger Erfolg. Gut ist, dass meine Kolumne eine starke Partnerin für Ihre Gesundheit und Gelenke sein soll.

Also geht’s mal wieder ans Eingemachte – mit gewohnt leichter Kost. Diesmal nicht fein auf dem Teller serviert, sondern warm in der Schale und frisch aus meinem Buch „Gelenke im Glück“.

„Gelenke im Glück“ von Meike Diessner

Kleine Handgriffe gegen Arthrose: Übung mit Linsen

Denn Linsen tun nicht nur von innen gut, sie helfen auch unseren Fingern, wenn Arthrose im Anmarsch ist, Schmerzen oder Schwellungen den Alltag erschweren.

Alles was Sie dazu brauchen, ist eine Schüssel, dazu ungekochte Linsen und einen Ofen oder eine Mikrowelle (spart Zeit, Strom und Geld. Und Zeit ist ja Geld, also doppelt gut). So geht’s der Polyarthrose an den Kragen, damit Sie, liebe Leser/innen, gar nicht erst schmerzhafte Bekanntschaft mit dem Fachbegriff für eine Arthrose an den Fingermittel- und -endgelenken machen müssen.

Sind die Linsen angenehm warm (bitte nicht garen!), tauchen wir die Hände 10 Minuten in die Schüssel, lassen unsere Hand durch die Hülsenfrüchte gleiten und führen Greifbewegungen im Linsenbad durch. Meike Diessner Linsenbad

Sie sehen,  Bewegung hilft nicht nur im großen Stil, sondern auch schon durch solch kleine Handgriffe. Wenn Sie durch die Übung zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen wollen, und Ihre Hände von innen und außen unterstützen möchten, bitte vorher die Flossen waschen.

Denn nach der Arbeit kommt bekanntlich das Vergnügen: Sie dürfen Ihre Linsen im Anschluss nämlich auch gerne kochen. Linsen gelten als hervorragender Proteinlieferant, worüber sich nicht zuletzt auch unsere Muskulatur an den Fingern freut.

Bei Arthrose-Schmerzen im Daumen: Übung mit Schwamm

Nachdem Sie nun gelernt haben, wie Sie Ihren Fingern im Handumdrehen eine Wellness-Behandlung spendieren, werfen wir noch mal eine kurzen Blick auf unseren Daumen – den etwas anderen Finger. In ihm stecken ein paar Umdrehungen mehr als in seinen längeren Kollegen. Sprich: Neben dem Beugen und Strecken können wir ihn in alle Himmelsrichtungen und natürlich über unseren Smartphones kreisen lassen.

Schmerzt es beim Türabschließen oder Flaschenöffnen im Daumen? Knirscht und reibt es, wenn Sie Ihren Daumen drehen? Dann denken Sie bitte nicht „Schwamm drüber“, sondern greifen Sie lieber zu einem.

Holen Sie sich einen Scheuerschwamm aus Ihrer Abstellkammer: Keine Panik, ich will Sie nicht zu einer Putz-Orgie animieren, sondern Ihnen zeigen, was Sie mit einfachen Mitteln tun können, damit’s in Ihrem Daumen wieder läuft wie geschmiert.

Tauchen Sie den Schwamm  in warmes Wasser, dann drücken Sie ihn im Anschluss langsam mit der Hand zusammen und wiederholen das Ganze mehrmals. Meike Diessner Schwammübung

 

Zugegeben: Wärmeübungen im Hitze-Sommer kosten auch Überwindung, nur hilft Kälte den geschundenen Fingergelenken bei Arthrose so gar nicht. Es sei denn, ein Gelenk ist akut entzündet. Wer es nicht warm mag, weil es im siebten Zoom-Meeting des Tages sowieso schon wieder heiß her ging, der lässt seinen Frust – besser außerhalb des Kamerawinkels – heraus: Die Hände zu Fäusten ballen und anschließend die Finger so weit auseinander spreizen, bis Sie eine Dehnung spüren. Das macht Geist und Körper wieder gelenkig!

Handydaumen, Mausarm, Smartphone-Nacken: Lieber früher gegensteuern

Wir haben heutzutage einfach so viele Möglichkeiten: Da sollten wir uns nicht von neuen Beschwerden entmutigen lassen, sondern ganz gezielt und einfach gegensteuern. Übrigens: Als Rechtshänder/in können Sie genauso eine Arthrose in der linken Hand entwickeln.

Das zeigt, dass wir nicht unbedingt etwas dazu können, auch wenn wir täglich 187 Nachrichten im Akkord raushauen oder dafür sorgen, dass Hunderte Menschen glücklich ihre Pakete in Empfang nehmen können, weil jemand die Last Tag für Tag hochhievt, schultert und für uns abliefert. (Epi-)Genetische Faktoren können ebenfalls eine Rolle spielen und grundsätzlich sind wir Frauen häufiger von der Polyarthrose betroffen. Ganz platt gesagt: Mama Arthrose, Tochter aufgepasst und besser schnell mal in den Linsen baden gehen.

Wer früh gegensteuert und auf Zeichen achtet, der kann Arthrose vorbeugen und Beschwerden lindern, bevor sie sich erstmal so richtig bei uns eingenistet haben. Und ganz ehrlich: Handydaumen, Mausarm, Smartphone-Nacken…

Mir als Ärztin reichen die modernen „Lachnummern” für ernste Beschwerden. Ich brauch’ keine neuen Begriffe und möchte nicht bald meine „Laptop-Schulter” behandeln müssen. Da drücke ich besser mal Schwämme zusammen und klapp’ jetzt den Rechner zu.

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