Wunderwaffe Magnesium? Bei welchen Leiden das Mineral hilft – und wo nicht

Magnesium ist ein lebenswichtiger Stoff. Da er in vielen Lebensmitteln steckt, können wir unseren Tagesbedarf mit einer gesunden Ernährung decken. Trotzdem greifen viele zusätzlich zu Magnesiumpräparaten und erhoffen sich, damit Beschwerden jeglicher Art zu lindern. FOCUS Online erklärt, wann das sinnvoll ist.

Unser Körper braucht Magnesium. Fehlt das Mineral, kann es zu Beschwerden kommen. Um einen Magnesiummangel auszugleichen, genügt meist eine ausgewogene Ernährung. Magnesium steckt unter anderem in Nüssen und Vollkornprodukten, Spinat und Bananen. In manchen Fällen kann es sinnvoll sein, den Körper zusätzlich mit einer Portion Magnesium in Form von Tabletten oder Pulver zu versorgen. Das sollte aber nur in Absprache mit einem Arzt passieren. Denn nicht bei jedem Leiden helfen magnesiumhaltige Nahrungsergänzungsmittel – und zu hoch dosierte Produkte können sogar schaden.

Hilft Magnesium bei Herzschwäche?

Antwort: Ja, aber Magnesiumpräparate sollten Betroffene nur in Absprache mit einem Arzt einnehmen.

Fehlt dem Körper Magnesium, kann sich das in Herzrhythmusstörungen auswirken, die den Herzmuskel schwächen. Arzt Andreas Götte von der Deutschen Herzstiftung erklärt: Ein Mangel an Magnesium kann "das sogenannte Membranpotenzial von Herzzellen so verändern, dass es zu einer gesteigerten Erregbarkeit der Schrittmacher- und Muskelzellen im Herzen kommt und dadurch vermehrt Herzrhythmusstörungen auftreten."

Zur Behandlung bieten sich laut Götte Magnesiumaspartat oder Magnesiumcitrat in einer Dosierung von 10 mmol pro Tag an. Patienten sollten zu den Präparaten aber nur auf Empfehlung eines Arztes greifen.

Hilft Magnesium bei Arteriosklerose?

Antwort: Ja, Forscher vermuten, dass Magnesium verkalkten Gefäßen vorbeugt.

Tier- und Zellstudien waren bereits zu dem Schluss gekommen, dass ein Magnesiummangel zu einer Verkalkung von Arterien führen kann. Wissenschaftler aus Boston konnte diesen Zusammenhang im Jahr 2014 auch am Menschen bestätigen.

Das Team hatte rund 2700 erwachsene Probanden über 42 Jahre untersucht und festgestellt: Je mehr Magnesium die Personen täglich zu sich genommen hatten, desto geringer war ihr Risiko für eine Arterienverkalkung. Im Schnitt hatten die Probanden 338 mg eingenommen, was ungefähr der Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung entspricht. Probanden, die täglich 50 mg mehr zu sich genommen hatten, hatten ein um 22 Prozent geringeres Risiko für verkalkte Koronararterien.

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Hilft Magnesium bei Krämpfen?

Antwort: Unsicher. Magnesium ist zwar wichtig für unsere Muskeln, Forscher bezweifeln jedoch, dass zusätzliche Magnesiumpräparate bei Krämpfen helfen.

Magnesium ist wichtig für die Kontraktion unserer Muskeln. Ein Mangel kann zu Krämpfen führen oder die Muskeln überreizen. Die Gliedmaßen können spannen, kribbeln oder sich taub anfühlen. Viele Menschen greifen daher bei Krämpfen zu magnesiumhaltigen Nahrungsergänzungsmitteln.

Um den Nutzen zu prüfen, ließen Forscher aus Israel 48 Erwachsene täglich Magnesiumoxid einnehmen. Am Ende der sechswöchigen Testphase stellten sie allerdings fest: Die Probanden hatten nicht mehr oder weniger nächtliche Beinkrämpfe als die 46-köpfige Kontrollgruppe, die kein extra Magnesium eingenommen hatte.

Eine Meta-Analyse des Wissenschaftler-Netzwerks Cochrane kommt zu einem ähnlichen Schluss. Forscher hatten vier Magnesium-Studien mit insgesamt 322 Teilnehmern untersucht. Alle Studien legen nahe, dass das Mineral weder Krämpfe lindert noch ihre Häufigkeit beeinflusst.

Meist lassen sich Muskelkrämpfe bereits mit der richtigen Ernährung vorbeugen. Wer anhaltend unter Krämpfen leidet, sollte mit einem Arzt über Magnesiumpräparate sprechen.

Hilft Magnesium bei Kopfschmerzen und Migräne?

Antwort: Ja, mehrere Studien belegen die Wirkung.

Zahlreiche Forscher haben den Zusammenhang zwischen Magnesium und Kopfschmerzen bereits untersucht. Die meisten kommen zu dem Schluss: Magnesium hilft! So beschrieb ein internationales Team von Wissenschaftlern aus Australien, Rumänien und den USA das Mineral in einer 2011 veröffentlichten Arbeit als "potenziell gut verträgliche, sichere und kostengünstige Option für die Migräne-Prophylaxe". Sie vermuten, dass Magnesium nicht nur Migräne vorzubeugen, sondern auch akut bei Migräne, Spannungskopfschmerzen und Clusterkopfschmerzen helfen kann.

Todd Schwedt von der Mayo Clinic im US-Bundesstaat Phoenix bestätigt 2018: Eine effektive Behandlung von Migräne sei unter anderem mit Magnesiumcitrat möglich.

Hilft Magnesium bei Sodbrennen?

Antwort: Ja, viele Medikamente gegen Sodbrennen beinhalten Magnesium.

Sogenannte Antazida sind Medikamente, die bei Sodbrennen häufig zum Einsatz kommen. Sie bestehen häufig aus aluminium- und magnesiumhaltigen Verbindungen, die den säurehaltigen Magensaft binden. Die Experten von Stiftung Warentest erklären: "Beide Stoffe werden kombiniert: Magnesium wirkt schneller, aber nicht so lange wie Aluminium. Es kann die Säure etwas besser neutralisieren, wirkt leicht abführend, Aluminium eher stopfend."

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