Schilddrüsen-Experte sagt, wie das Schmetterlings-Organ unsere Gesundheit beeinflusst

Die Hormondrüsen sind nur kleine innere Organe. Wie stark jedoch ihr Einfluss auf unsere Leistungsfähigkeit und unser Wohlbefinden ist, zeigt sich, wenn sie in ihrer Funktion versagen. Im Interview erklärt der Schilddrüsen- und Hormonexperte Berndt Rieger, wie Sie die Hormondrüsen bestmöglichst bei ihrer Arbeit unterstützen.

FOCUS Online: Herr Rieger, Sie sagen, der Weg zu Glück und Erfolg führt oft über eine gesunde, aktive Schilddrüse. Wie kann das sein?

Berndt Rieger: Um das zu verstehen, muss ich beim Jod beginnen. Der entscheidende Schritt für den Menschen war, dass man Jod biologisch stärker verfügbar machen konnte. Das war der Anfang aller höher entwickelten Säugetiere, denn diese haben die Schilddrüse, um das Jod gezielt zu den Zellen zu bringen und die Energieproduktion anzuregen. Denken Sie an den Alpenraum zurück: Dort herrschte früher Jodmangel. Die Menschen hatten damals Schilddrüsen, die nicht richtig funktionierten und sich zu einem Kropf vergrößerten. Wenn Jod nicht an Zellen rankommt, bleiben die Menschen kleiner, haben mehr Gewicht und sind intellektuell weniger rege. Man sieht, was eine gute Schilddrüse, die arbeitet, vermögen kann.

Wie viele Hormondrüsen haben wir?

Rieger: Acht, davon drei Steuerdrüsen im Kopf. Wichtig sind neben der Schilddrüse die Nebennieren und Geschlechtsdrüsen, die das ausführen, was im Gehirn angeregt wird. Über die hormonelle Steuerung werden grundlegende Dinge wie die Betriebstemperatur, die ein Mensch hat, geregelt oder auch der Wasserhaushalt.

Über den Interviewpartner:

Dr. med. Berndt Rieger ist als Internist und Naturarzt in Plauen niedergelassen. Er leitet das Zentrum für Traditionelle Europäische Medizin, eine Ausbildungsstätte für Ärzte und Heilpraktiker. Dr. Rieger ist der Autor erfolgreicher Gesundheitsratgeber, darunter vor allem zur ganzheitlichen Schilddrüsentherapie.

Sie sagen, die Schilddrüse ist Leitdrüse und Sitz der Seele – was bedeutet das?

Rieger: Ganz einfach: Wenn die Schilddrüse funktioniert und den Körper gut mir ihren Hormonen anregt, können auch die anderen Hormondrüsen gut funktionieren.

Was muss ich denn tun, damit meine Schilddrüse bestmöglich funktioniert?

Rieger: Heutzutage entzündet sich die Schilddrüse sehr häufig. Ursachen können virale Infektionen sein, die organüberschreitend sind. Dann ist die Schilddrüse häufig befallen, verändert sich, wird narbig verfüllt und schrumpft. Und je kleiner sie wird, desto weniger leistungsfähig ist sie. Man kann aber versuchen, das Immunsystem zu stärken und auch bei den Nahrungsmitteln etwas zu verändern.

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Häufig ist davon die Rede, dass wir einen Vitalstoffmangel haben, wenn es zu entzündlichen Prozessen kommt. Wie steuere ich dagegen?

Rieger: Wenn Sie beispielsweise einen Vitamin-D-Mangel haben, werden Infektionen mühsamer überwunden. Mit der Zuführung von Vitamin D verbessern Sie dann die Immunantwort und vermeiden Autoimmun-Reaktionen. Das ist durchaus eindrucksvoll, wie einfach ich ein Gleichgewicht wieder herstellen kann.

Das liegt meist an den genetischen Voraussetzungen, oder?

Rieger: Es gibt Tendenzen, dass bestimmte Vitalstoffmangel für diese Entzündungen verantwortlich sind. Bei Frauen gibt es noch ein anderes interessantes Beispiel, den Eisenmangel. Mit der Menstruation verlieren Sie jeden Monat Eisen. Und wenn sie sich dann vegetarisch oder vegan ernähren, haben Sie in der Nahrung Eisen, das sie noch nicht gut verstoffwechseln können.

Das gelingt erst, wenn genug Säure vorhanden ist. Dieser Eisenmangel kann auch eine Unterfunktion der Schilddrüse hervorrufen. Und es gibt noch einen zweiten wichtigen Punkt.

Erläutern Sie das bitte.

Rieger: Viele Menschen sind von Geburt an nicht gut mit Pilzen und Bakterien besiedelt. Sie haben eher ungünstige Keime in ihrem Darm, auf den Schleimhäuten und der Haut. Dieses Mikrobiom stellt aber viele wichtige Funktionen bereit, das hat für unser Hormonsystem eine riesige Bedeutung. Wenn Sie jetzt ein Kind haben, das ohne Schilddrüse geboren wird, wird es sich nicht gut entwickeln können und irgendwann sterben. Wenn die Schilddrüse hingegen gut funktioniert, wird das Kind größer, kreativer und aktiver sein.

Gibt es denn Kinder, die ohne Schilddrüse geboren werden?

Rieger: Es kommt vor, aber nicht häufig. Ich kenne nur einen, der ist mittlerweile auch über 50. Zu Beginn gab es noch keine gute Hormonersatztherapie. Die Mutter hat mir erzählt, dass er sich trotzdem prächtig entwickelt hat, obwohl er die ersten drei Jahre quasi ohne Hormone gelebt hat. Allerdings blieb er die ersten Jahre von der Entwicklung her fast auf dem Stand eines Babys.

Diese fehlende Entfaltung zeigt, dass ich eine gute und funktionierende Schilddrüse für meine positive Entwicklung benötige. Und genau das habe ich in meiner Praxis gesehen: Viele Probleme entstehen, weil die Hormondrüsen nicht ausreichend aktiv sind.

Hat der Bereich der Hormondrüsen die notwendige Bedeutung in der Medizin?

Rieger: Aus meiner Sicht nicht. Wenn Sie Arzt werden, kommen Sie nach einer gewissen Grundschulung in ein System, wo starre Vorgaben herrschen. Das ist teilweise sehr befriedigend, wenn Sie einen Verkehrsunfall haben und dann eine super Versorgung erhalten. Das ist ausgezeichnet organisiert.

Beim Hormonsystem hat die Schulmedizin vielleicht fünf Prozent des Spektrums erkannt, was nicht schlecht ist. Aber die daraus resultierenden Lösungen sind bescheiden, denn der Arzt hat ein Ultraschallgerät, sieht eine Veränderung oder einen Knoten und sagt, die Schilddrüse muss raus. Als Ersatz gibt es ein Hormonpräparat. Für mehr Analyse ist kein Platz.  Mein Bestreben ist daher, alles Wissen zur Verfügung zu stellen.

Das hört sich so an, als würde die Schilddrüse viel zu oft herausgenommen.

Rieger: Rund 150.000 Menschen jährlich verlieren die Schilddrüse. Die meisten aus meiner Sicht aus nichtigen Gründen. Ich mache das als Schwerpunkt seit rund 20 Jahren. Und habe in dieser Zeit vielleicht fünf Menschen mit einem Schilddrüsenkarzinom gesehen – bei etwa 30.000 Patienten.

Man kann mein anekdotisches Wissen nicht verallgemeinern, aber das meiste, was man Knoten nennt, ist eher das Gegenteil. In ersten Schritt muss ich beim Ultraschall zwischen Auflockerung und Verdichtung unterscheiden. Das passiert aber viel zu selten. 

Was machen Sie mit Patienten, die keine Schilddrüse mehr haben? Können Sie dann noch erkennen, was der Grund der Krankheit oder des Mangels ist?

Rieger: Wir machen ja ein Gesamtbild, also Körper- und Antlitz-Diagnostik. Das kann man lernen. Zum Beispiel habe ich am Unterlid eine Reflexzone für die Nebenniere. Und wenn ich mir das anschaue und dort eine Schwellung erkenne, ist es ein Zeichen für eine eventuelle Entzündung der Nebenniere.

Natürlich gibt es Situationen, wo ein Zeichen nicht voll zutrifft. Aber es hilft, ein Gesamtbild zu bekommen und zu erkennen, ob die Hormondrüsen funktionieren oder ob etwas gestört ist.

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