Diese Viren verursachen Krebs – dabei könnte Krebserkrankung verhindert werden

Mindestens jede siebte Krebserkrankung wird direkt oder indirekt durch Viren verursacht. Ein internationales Forscherteam untersuchte nun, welche Erreger für welche Erkrankung verantwortlich sind. Damit hoffen die Wissenschaftler, die Entstehung bestimmter Krebsarten künftig zu verhindern.

Viren, Bakterien, Würmer – nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation werden über 15 Prozent aller Krebserkrankungen durch infektiöse Erreger verursacht. Insgesamt elf verschiedene Krankheitserreger stuft die internationale Krebsforschungsagentur IARC als krebserregend ein. Eine von zehn Krebserkrankungen geht demnach auf solche Erreger zurück. Allein 640.000 Krebsfälle führen die Forscher jährlich auf humane Papillomviren zurück.

Ein Team internationaler Wissenschaftler untersuchte nun, welche Viren mit welchen Krebsarten in Verbindung stehen. Die Genomforscher unter der Leitung von Peter Lichter vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) wollten zudem nach Viren suchen, die bislang noch nicht mit der Krebsentstehung in Verbindung gebracht wurden oder ganz unbekannt waren.

Bei virusbedingten Krebsarten ist Prävention möglich

„Die Frage, welche Viren mit Krebs in Verbindung stehen, ist für die Medizin hoch relevant", erklärt Marc Zapatka vom DKFZ, Erstautor der aktuellen Studie. „Denn bei virusbedingten Krebsarten ist echte Prävention möglich: Ist ein krebserregendes Virus identifiziert, so besteht die Chance, mit einer Impfung der Infektion vorzubeugen und damit zu verhindern, dass Krebs entsteht."

Die Untersuchungen sind Teil der „Pan-Cancer Analysis of Whole Genomes“. Dabei handelt es sich um einen Zusammenschluss von über 1300 Forschern, die gemeinsam die Rolle von Genmutationen oder Muster an Erbgutveränderungen über mehrere Tumorarten analysieren wollen. Dabei untersuchten die Wissenschaftler mehr als 2600 Tumorgenome von 38 verschiedenen Krebsarten.

Das DKFZ-Team entdeckte bei 356 Krebspatienten Spuren von 23 verschiedenen Erregerarten. Am häufigsten vertreten waren Viren, die bereits bekannt für ihre treibende Wirkung in Sachen Krebsentstehung und -wachstum sind:

Epstein-Barr, Hepatitis B und HPV

In 5,5 Prozent der untersuchten Krebsgenome fanden die Wissenschaftler das Erbgut von Epstein-Barr-Viren. Diese gelten als Verursacher zahlreicher Krebsarten, besonders bei Lymphomen, Krebserkrankungen des Magens und des Nasen-Rachenraums.

Bei 62 der insgesamt 330 Fällen von Leberkrebs spürten die Forscher zudem Hepatitis B-Viren auf.

Humane Papillomviren mit HPV 16 konnten sie bei 19 von 20 untersuchten Fällen von Gebärmutterhalskrebs sowie bei 18 von 57 Hals/Rachen-Tumoren nachweisen.

In seltenen Fällen entdeckte das Team zudem ein Retrovirus bei Nierenkarzinomen. Auch Cytomegaloviren fanden die Wissenschaftler bei wenigen Magenkrebsfällen. Trotz der sorgfältigen bioinformatischen Analyse konnten sie jedoch keine Viren aufspüren, die bislang unbekannt waren.

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  • Krebszellen sind unsterblich

    Mithilfe ihrer Analyse konnten die Wissenschaftler die Mechanismen ausmachen, die zu virusbedingten Mutationen führen. Sie erkannten, dass das Viruserbgut oft in das menschliche Genom eingebaut werde, insbesondere bei Hepatitis B und bei Papillomviren.

    „Oft beobachteten wir beispielsweise den Einbau von HPV-DNA in den so genannten Telomerase-Promoter: Dieses genetische Schaltelement steuert die Produktion des ‚Unsterblichkeitsenzyms‘ Telomerase und ist bei vielen Krebsarten mutiert. Wir haben nun gezeigt, dass auch die Virusintegration zu einer Aktivierung dieses Genschalters führen und den Zellen damit Unsterblichkeit verleihen kann“, erklärt Marc Zapatka.

    Ein weiterer Mechanismus, der im Erbgut infizierter Zellen Mutationen auslöst, ist den DKFZ-Forschern zufolge die zelleigene Virusabwehr. Zellen würden das Erbgut gefährlicher Viren angreifen, was häufig zu Mutationen des zelleigenen Genoms führt. Die Konsequenz sind dann beispielsweise Gebärmutterhalskrebs und Hals-/Rachentumore nach einer HPV-Infektion.

    Studienleiter Peter Lichter erklärt abschließend: „Bei der Analyse der vollständigen Krebsgenome haben wir in deutlich mehr Tumoren Spuren von Viren entdeckt als bei früheren Untersuchungen, die nur auf der Untersuchung der RNA beruhten. Trotzdem konnten wir die häufig geäußerte Vermutung nicht bestätigen, dass weitere, bislang unbekannte Viren mit Krebs assoziiert sind."

    Die Untersuchungsergebnisse sieht er dennoch als wichtigen Schritt im Kampf gegen Krebs. „In vielen Fällen sehen wir jetzt allerdings klarer, auf welche Weise die Erreger Zellen bösartig entarten lassen."

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