Böse Butter? Forscher zeigen, dass sie das Herzinfarktrisiko erhöht

Für die Herzgesundheit haben Milchprodukte ganz unterschiedliche Auswirkungen. Sie können das Risiko für einen Schlaganfall oder Infarkt erhöhen – oder senken. Gerade wer schon Probleme mit dem Herzen hat, sollte seinen Speiseplan kritisch checken.

Milch, Butter, Käse, Sahne, Quark – die Brandbreite an Milchprodukten ist vielfältig. Sie haben viele positive Eigenschaften und versorgen den Körper etwa mit Kalzium, Vitaminen, Mineralstoffen und Proteinen. Auf die Herzgesundheit wirken sie sich jedoch sehr unterschiedlich, sogar gegensätzlich aus. Das zeigt eine Beobachtungsstudie norwegischer Forschender. Sie untersuchten die verschiedenen Lebensmittel und wie sie mit dem Risiko für einen Schlaganfall, Herzinfarkt und der Sterblichkeit zusammenhängen.

„Milchprodukte sind eine sehr heterogene Lebensmittelgruppe. Sie sollten am besten nur einzeln und nicht in Kombination betrachtet werden“, sagte der Hauptautor Vegard Lysne vom Zentrum für Ernährung der Universität Bergen und der Abteilung Kardiologie der Universitätsklinik Haukeland dem Fachportal „Medscape“.

Die zentralen Ergebnisse:

  • Höherer Milch- und Milchproduktekonsum hängt mit einer erhöhten Mortalität und einem erhöhten Schlaganfallrisiko zusammen.
  • Der Verzehr von Butter ist mit einem erhöhtem Herzinfarktrisiko verbunden.
  • Beim Genuss von Käse zeigte sich dagegen ein niedrigeres Risiko für akuten Myokardinfarkt. Oxford University Press Die Grafik zeigt, wie das Herzinfarktrisiko mit zunehmendem Genuss des jeweiligen Milchprodukts steigt (Butter, schwarz; Milch, blau) oder sinkt (Käse, rot). (Eur. J. Prev. Cardiol., zwac217)

Die Studie erschien im Fachmagazin „European Journal of Preventive Cardiology“. Einschränkend ist zu sagen: Die Forschenden untersuchten Patienten mit stabiler Angina pectoris (Brustenge, bei der Beschwerden nur unter Belastung auftreten). Die Erkenntnisse sind demnach nicht ohne weiteres auf andere Personengruppen zu übertragen. Die Angina pectoris ist eine koronare Herzkrankheit (KHK) – diese betrifft in unterschiedlichen Ausprägungen in Deutschland laut Angaben der Deutschen Herzstiftung um die sechs Millionen Menschen.

Bei der Brustenge (Angina pectoris) treten anfangs unter starker körperlicher Belastung, später auch unter leichter Belastung und schließlich in Ruhe, anfallartige Schmerzen (Druckgefühl) im Brustkorb auf. Verursacht sind die Beschwerden durch Verengungen der Blutgefäße des Herzens, den Koronararterien. (Quelle: Deutsche Herzstiftung)

Bei Genuss von Käse zeigte sich ein niedrigeres Risiko für Herzinfarkt

80 Prozent der Teilnehmenden waren Männer, das Durchschnittsalter lag bei 61,8 Jahren. Neben einer stabilen Angina pectoris hatten

  • 47 Prozent der Personen eine Hypertonie,
  • 31 Prozent einen Diabetes und
  • 29 Prozent waren Raucher.

Die Mehrheit nahm

  • Acetylsalicylsäure (90 Prozent),
  • Statine (90 Prozent) und
  • Betablocker ein (77 Prozent).

Die Ernährungsdaten erhob das Team um Lysne anhand eines Fragebogens zur Häufigkeit des Verzehrs bestimmter Lebensmittel.

Lysne betonte, dass es sich bei den Ergebnissen um eine Beobachtungsstudie handelt und dass Ärzte ihre Empfehlungen nicht allein aufgrund dieser Ergebnisse ändern sollten.

„Es gibt immer mehr Literatur, nach der Käse mit einem geringeren kardiovaskulären Risiko in Verbindung gebracht werden kann“, sagte er. „Aber ob es sich dabei um einen kausalen Effekt handelt oder ob Käse ein Marker für einen höheren sozioökonomischen Status und einen insgesamt gesünderen Lebensstil ist, ist noch unbekannt.“

Der Forscher würde sich wünschen, dass künftige Studien Milchprodukte individueller und nicht zusammen bewerten. Dafür sprach sich auch Qi Sun, Professor für Ernährung und Epidemiologie an der Harvard T.H. Chan School of Public Health in Boston, Massachusetts, im Austausch mit „Medscape“ aus. Denn Joghurt beispielsweise sei ein „fantastisches Lebensmittel“ und werde mit geringerem Risiko für Herzkrankheiten und Diabetes in Verbindung gebracht. Er resümierte: „Für mich sollten zur Senkung des kardiovaskulären Risikos immer noch am ehesten Butter und Vollmilch gemieden werden.“

Warum Butter dem Herz schaden kann

Butter enthält überwiegend gesättigte Fettsäuren. Diese lassen die Blutfettwerte steigen. Das heißt, sie erhöhen den LDL-Cholesterinspiegel im Blut. Es ist das oft so genannte „schlechte“ Cholesterin. Ist der Spiegel dauerhaft zu hoch, schadet das den Gefäßen. Ablagerungen können sich bilden und Arterien verstopfen (Arteriosklerose). Und nur durch elastische und freie Gefäße kann unser Herz das Blut gut pumpen und den Körper mit lebenswichtigen Nährstoffen versorgen.

Wie immer ist alles eine Frage der Dosis. „Das Stichwort lautet Ausgewogenheit“, bringt es Michael Böhm ist Direktor der Klinik für Kardiologie, Angiologie und Internistische Intensivmedizin am Universitätsklinikum des Saarlandes, in seinem Expertenbeitrag auf den Punkt. Wer täglich Fast Food oder eine ganze Tüte Chips isst und dazu zuckerhaltige Limonaden oder Kakao trinkt, tue seinem Herzen selbstverständlich nichts Gutes. „Wer sich aber im Allgemeinen an einer ausgewogenen Ernährung mit viel Obst und Gemüse, gesunden Fetten (am besten Olivenöl), viel Fisch und Vollkornprodukten orientiert und dafür zu viel rotes Fleisch, verarbeitete Fette und die meist fett- und zuckerreichen Fertigprodukte weglässt, wird nicht herzkrank, nur weil er sich einmal einen Burger gegönnt hat.“

Der Charité-Kardiologe Ulf Landmesser empfiehlt allen Menschen ab 40 regelmäßig den Cholesterin-Spiegel überprüfen zu lassen. Denn ist er außer Kontrolle bemerken die Betroffenen meist erst einmal nichts davon.

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    Demnach braucht also niemand Butter oder Milch an sich zu verteufeln. Die Mischung und der übrige Lebensstil bestimmen die Herzgesundheit entscheidend mit. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) rät, dass gesättigte Fettsäuren, die vor allem in tierischen Lebensmitteln aber auch in Kokos- und Palmfett enthalten sind, nicht mehr als ein Drittel der Gesamtfettzufuhr ausmachen sollen.

    Die DGE empfiehlt:

    • 15 – 30 Gramm Margarine oder Butter täglich
    • Ein Esslöffel Öl oder Streichfett entspricht ungefähr zehn Gramm.

    Die DGE befürwortet wie die „American Heart Association“ lieber flüssige Pflanzenöle zu verwenden.

    Grundsätzlich gilt es die Zellen der Innenschicht der Gefäße, des sogenannten Endothels, zu pflegen. Diese Endothel-Zellen spielen unter anderem für die Entstehung oder den Schutz vor Arteriosklerose eine Rolle. Martin Halle, Ärztlicher Direktor des Instituts Präventive Sportmedizin und Sportkardiologie am der Universitätsklinik München, nennt daher zwei Fitmacher für die Gefäße:

    1. Ungesättigte Fettsäuren: Sie lagern sich in die Gefäßwand ein. „Und je mehr sie sich einlagern, umso aktiver werden die Endothel-Zellen“, sagte der Gefäßspezialist im Gespräch mit FOCUS online. Ungesättigte Fettsäuren sind Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren, wobei vor allem von Omega-3-Fettsäuren die meisten von uns zu wenig aufnehmen.

    Gute Lieferanten sind

    • Kaltwasserfische wie Makrele, Hering und Lachs, sowie
    • Pflanzenöle wie Lein-, Soja- oder Walnussöl.

    Dabei sollte Fisch zweimal pro Woche auf den Tisch kommen, die Pflanzenöle am besten täglich, etwa für Salat genutzt werden.

    2. Polyphenole: Zu diesen sekundären Pflanzenstoffen gehören Flavonoide, Anthocyane und Phenolsäuren. Sie verleihen Obst und Gemüse Geschmack und vor allem Farbe. „Sie fangen Stoffe ab, die den Endothel-Zellen schaden, etwa Substanzen aus dem Rauch“, erklärte Halle den Schutzmechanismus.

    Bunt essen, lautet deshalb die Empfehlung des Gefäßexperten. Zu jeder Mahlzeit sollten Gemüse und Obst in unterschiedlichen Farben gehören. Das garantiert eine möglichst hohe Menge verschiedener Polyphenole. Am einfachsten geht das mit den Ampelfarben grün, gelb, rot. Beispiel: Brokkoli und gelber Paprika zum Hauptgericht, eventuell ein Stückchen Fisch dazu (Omega-3-Fettsäuren), zum Nachtisch, je nach Jahreszeit, ein roter Apfel oder Beeren.

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