Corona

Mehr als 50 Millionen Corona-Impfdosen sind in Deutschland schon verabreicht worden. Der Berliner Hausarzt Wolfgang Kreischer fügt an diesem Tag 44 hinzu. Dennoch sieht Kreischer viele Probleme in der Impfkampagne. Von der Politik wünscht er sich Klarheit, besonders jetzt, wo die Priorisierung wegfallen soll.

Wolfgang Kreischer, Facharzt für Allgemeinmedizin
»Herr Spahn ist manchmal sehr forsch und verspricht das Blaue vom Himmel. Das passt nicht zu unserem Praxisstil. Die Aufhebung der Priorisierung hat uns vor große Probleme gestellt, weil die Bürgerinnen und Bürger meinen, sie könnten jetzt jederzeit mit jedem Impfstoff geimpft werden. Das ist natürlich nicht wahr. Das hat die Politik versäumt, das mitzuteilen, weil wir haben natürlich in den Praxen unsere Listen der priorisierten Patienten, die erst mal durchgeimpft werden müssen.«

Rückblick: Vor rund einem Monat waren wir schon einmal bei Dr. Kreischer, der auch Vorsitzender des Berliner Hausärzteverbandes ist. Das Impfen bei Hausärzten war noch recht neu und die organisatorischen Probleme groß.

Wolfgang Kreischer, Facharzt für Allgemeinmedizin
»Das Dilemma ist, dass wir die Zeiten, in denen geimpft wird, festgelegt haben, dass wir da auch Termine vergeben, dass wir nicht wissen, erst montags im Laufe des Vormittags, dass wir erst dann erfahren, welchen Impfstoff wir bekommen und in welcher Menge.«

Heute, vier Wochen später. Was hat sich seitdem geändert?

Wolfgang Kreischer, Facharzt für Allgemeinmedizin
»Wo ein bisschen sich das Ganze verbessert hat, ist bei den Zweitimpfungen. Wir bekommen definitiv das geliefert, was wir an Zweitimpfungen brauchen. Nur für neue Patienten sieht es dann manchmal fatal aus. Wir haben vor 14 Tagen zum Beispiel von einem bestimmten Impfstoff nur eine Menge für sechs neue Impfungen bekommen.«

Für die nächsten sechs bis acht Wochen sei die Liste mit Bestandspatienten voll, so Kreischer, aber trotzdem: Einige der heutigen Patienten haben durch beharrliche Internetsuche einen Termin ergattert.

Patient
»Ich hatte sieben Tabs gleichzeitig offen, Twitterbots und alles. Und dann kam eines Tages in einem Tabs auf Jameda diese Arztpraxis hier. Ich wollte es so einfach nicht glauben. Hat sich da ein Datenfehler eingeschlichen? Nee, es klappt, ich kann hier offensichtlich buchen und ja, jetzt nach 6 Wochen oder so was hab ich es dann geschafft, ja.«

Ein großes Problem sind Patienten, die einfach nicht zu ihrem Impftermin kommen. Drei an diesem Vormittag. Wenn die Arzthelferinnen diese Lücken nicht spontan mit Nachrückern füllen können, droht der Impfstoff zu verfallen. Doch oft finden sich unbürokratische Lösungen.

Patientin
»Er bräuchte wahrscheinlich ein bisschen weniger als eine Stunde her.
Ich war leider ein bisschen entsetzt, weil nicht so viele Leute gekommen sind, wie eigentlich Termine gemacht wurden. Also bin ich vorne zur Rezeption gegangen und konnte heute noch mal einen Termin für meinen Freund dann schnell besorgen können.«

Auch Kinder zwischen 12 und 16 Jahren könnten bald geimpft werden. Die EU-Kommission hat bereits grünes Licht für das Vakzin von Biontech gegeben. Die deutsche Stiko ist zurückhaltender. Auch Kreischer sieht darin keinen Vorteil.

Wolfgang Kreischer, Facharzt für Allgemeinmedizin
»Bei den Kindern und Jugendlichen ist die Frage, ob sich das tatsächlich lohnt, weil bei dieser Patientengruppe ist ja im Moment kaum ein Krankheitsgeschehen zu beobachten. Was auf jeden Fall passiert ist, dass der Impfstoff knapper wird, weil jetzt natürlich in den Kinderarztpraxen auch geimpft wird. Und wir werden dann in unseren Hausarztpraxen kaum genügend Impfstoff zur Verfügung haben. Das hat die Politik auch nicht bedacht, beziehungsweise sie hat es nicht publik gemacht. Und wir müssen jetzt das auslöffeln, das Problem.«

Unheil schwant Kreischer auch beim geplanten digitalen Impfausweis, der wohl auch von Hausarztpraxen ausgestellt werden soll. Hier seien noch zu viele Fragen offen. Aber eins sei klar: Die Arztpraxen hätten mit dem Impfen selbst schon genug zu tun.







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