Corona: So werden die Impfungen der Fünf

Die Stiko empfiehlt die Coronaimpfung vor allem für Fünf- bis Elfjährige mit Vorerkrankungen

Etwa ein Jahr, nachdem in Deutschland die ersten Erwachsenen gegen das Coronavirus geimpft wurden, sollen die Impfungen der Fünf- bis Elfjährigen beginnen. Das Bundesgesundheitsministerium hat angekündigt, dass diese Woche die Auslieferung der speziellen Kinderimpf-Ampullen mit der Vakzine von Biontech/Pfizer startet. Neben Kinderarztpraxen sollen öffentliche Impfzentren die Spritzen anbieten – allerdings nicht überall. Auch der konkrete Start der Kampagnen kann sich je nach Ort unterscheiden.

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums vom Sonntag werden mehr als 2,2 Millionen Dosen des Kinderimpfstoffs an die pharmazeutischen Großhandlungen verteilt. Arztpraxen bestellen die Impfstoffe anschließend über die Apotheken. Der Kassenärztlichen Bundesvereinigung zufolge haben Praxen für diese Woche rund 800.000 Dosen angefordert. Diese würden ab Montag und spätestens Mittwoch komplett ausgeliefert. Abgesehen von den an die Großhandlungen gelieferten Impfstoffen sollen noch spezielle Länderkontingente zur Verfügung gestellt werden.


Der Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, Thomas Fischbach, geht davon aus, dass sich das Gros seiner Kollegen bei den Impfungen der Kinder beteiligen wird. »Die Vorbereitungen sind weitestgehend abgeschlossen, weil die Stiko-Empfehlung so erwartet worden war«, sagte Fischbach der »Rheinischen Post«. Für Fünf- bis Elfjährige wird ein niedriger dosiertes und anders abgefülltes Präparat des Biontech/Pfizer-Impfstoff verwendet als bei größeren Kindern oder Erwachsenen. Von der mRNA-Vakzine sollen laut Stiko zwei Dosen im Abstand von drei bis sechs Wochen verabreicht werden.

Bundesfamilienministerin Anne Spiegel (Grüne) nannte den Start der Kinderimpfungen ein gutes Signal. Für viele Fünf- bis Elfjährige und ihre Familien sei das eine »große Erleichterung«, sagte sie den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Aus Sicht von Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) leisten die Impfungen zudem einen wichtigen Beitrag, um den Präsenzunterricht zu sichern, wie sie ebenfalls den Zeitungen der Funke Mediengruppe sagte.

Wie werden die Impfungen in verschiedenen Bundesländern geregelt?

In Bayern sollen Kinder ab fünf Jahren laut Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) von Mittwoch an in Impfzentren und Arztpraxen geimpft werden können – sofern der Bund seine Lieferzusagen einhält. Allein die Impfzentren im Freistaat haben rund 240.000 Dosen bestellt. »Wir haben die Impfzentren bereits gebeten, spezielle Familienimpftermine anzubieten«, sagte Holetschek. Zudem sollen die Stationen laut einer Ministeriumssprecherin kindgerecht gestaltet werden, die Kinder sollen etwa »Give-Aways« wie Buntstifte bekommen.

In den Impfstellen der Kommunen und Kreise in Nordrhein-Westfalen soll es für Fünf- bis Elfjährige ab Freitag ein Angebot geben. Mindestens die Hälfte der Impfungen soll mit Termin vergeben werden. Der Apothekerverband Nordrhein geht davon aus, dass die ersten Kinderärzte schon am Montag mit dem Impfen beginnen können.

In Bremen wurde ein zentrales Kinderimpfzentrum für Fünf- bis Elfjährige eingerichtet, das ab Dienstag den Betrieb aufnimmt. Dort stehen Kinder- und Jugendärzte für die Beratung zur Verfügung, außerdem werden speziell für Kinder geeignete Info-Materialien erstellt. Mobile Impfangebote für Kinder sind aktuell nicht geplant.

Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt die Impfung von Fünf- bis Elfjährigen, falls diese etwa durch Vorerkrankungen ein erhöhtes Risiko für einen schweren Covid-19-Verlauf haben. Ebenfalls empfohlen wird die Impfung, wenn Angehörige der Kinder ein hohes Risiko haben, bei einer Infektion schwer zu erkranken. Daneben können Eltern auch unabhängig von der Stiko-Empfehlung und nach individueller Aufklärung entscheiden, ihr Kind auf eigenen Wunsch impfen zu lassen. Die am Donnerstag veröffentlichte Stiko-Empfehlung durchläuft aktuell noch ein übliches Abstimmungsverfahren mit Fachgesellschaften und Ländern.

Die Landesregierung in Rheinland-Pfalz peilt den Auftakt für die Impfungen in einem der neun Zentren des Landes für Donnerstag an. Eltern können ihre Kinder bereits seit dem 1. Dezember online oder über eine Hotline anmelden. Hauptanlaufstelle sollen aber die Kinder- und Jugendärzte sein, wo die Termine individuell vergeben werden.

Das Gesundheitsministerium in Baden-Württemberg setzt bei den Impfungen der Kinder im Alter von fünf bis elf Jahren zunächst vor allem auf die Kinderarztpraxen. Diese kennen ihre Patientinnen und Patienten demnach am besten und wüssten, welche Kinder prioritär geimpft werden sollten, hieß es. Abgesehen davon soll es Impfaktionen der Stadt- und Landkreise sowie in Kliniken geben. Konzepte für spezielle Angebote für Kinder und deren Eltern existieren den Angaben zufolge etwa im Rems-Murr-Kreis oder in Tübingen.

In Berlin sollen die Corona-Impfungen für Kinder in den drei landeseigenen Impfzentren am Mittwoch beginnen. Dort soll es insgesamt 35 zusätzliche Impfkabinen für Kinder geben. Geplant sind zudem Kinderimpfungen in Grundschulen durch mobile Impfteams. Impfangebote für Kinder sind auch in den Weihnachtsferien vorgesehen.




In Sachsen-Anhalt haben sich laut Sozialministerium bislang 87 Kinder- und Jugendärzte bereit erklärt, Kinder der Altersgruppe zu impfen, davon hätten 40 ihre Bereitschaft signalisiert, bei Bedarf Impfzentren zu unterstützen. Zudem organisierten einige Landkreise und kreisfreie Städte zusätzliche Impfangebote. Die öffentlichen Impfstellen in Magdeburg, dem Burgenlandkreis und dem Landkreis Anhalt-Bitterfeld würden voraussichtlich erst im kommenden Jahr mit den Kinderimpfungen beginnen.

In Hamburg soll der Impfstoff voraussichtlich am Mittwoch geliefert werden. Geplant sei, am Donnerstag mit den Impfungen zu beginnen, heißt es auf der Homepage der Stadt. Erste Anlaufstelle sind demnach Kinderärztinnen und Kinderärzte. Da die Versorgung jedoch nicht überall ausreiche, solle es zudem Impfangebote an Kliniken sowie ein Kinderimpfzentrum geben, das sich aktuell jedoch noch im Aufbau befindet.

In Thüringen sind vorerst 3000 Termine für Impfungen von Fünf- bis Elfjährigen in mehreren öffentlichen Impfstellen freigeschaltet worden. »Wir sind erst einmal vorsichtig, ob der versprochene Impfstoff auch tatsächlich ankommt und ob das Angebot überhaupt angenommen wird«, sagte der Impfmanager der Kassenärztlichen Vereinigung, Jörg Mertz. Ab 27. Dezember sollen die Termine dann auf Impfstellen in ganz Thüringen ausgedehnt werden.

In Mecklenburg-Vorpommern sollen Fünf- bis Elfjährige vorrangig bei den Kinderärzten geimpft werden. Dort, wo impfende Kinderärzte nicht zur Verfügung stünden, werde es Angebote in Impfstützpunkten der Landkreise und kreisfreien Städte geben, sagte Gesundheitsministerin Stefanie Drese (SPD) am Freitag. Zudem seien Impf-Aktionstage für Kinder und deren Familien in Planung.

Auch in Niedersachsen sollen Kinderarztpraxen die ersten Ansprechpartner bei der Corona-Impfung sein. »Darüber hinaus werden sich auf Initiative des Landes mindestens 19 Kinderkliniken im ganzen Land an der Impfkampagne beteiligen«, heißt es in einer Erklärung von Gesundheitsministerin Daniela Behrens (SPD) vom Donnerstag. Außerdem planten viele Kommunen, Impfteams einzusetzen. Dadurch sollen auch Eltern ein Impfangebot erhalten, deren Kinderarztpraxen nicht impfen. »Entscheidend ist jetzt, dass der Impfstoff auch wie angekündigt in der kommenden Woche geliefert wird«, sagte Behrens.

Quelle: Den ganzen Artikel lesen