Telemedizin-Anbieter Kry holt sich 140 Millionen Euro für Expansion

Seit Dezember ist der schwedische Telemedizin-Anbieter Kry in Deutschland aktiv. Patienten können über eine App per Video-Beratung einen Arzt konsultieren. Eventuell resultierende Arzneimittel-Verordnungen wandern als Fax zur nächsten Apotheke oder zu DocMorris. In einer Pressemitteilung teilte der Konzern nun mit, dass er mithilfe einer Finanzspritze weiter expandieren will.

In Deutschland steckt die Telemedizin größtenteils noch in den Kinderschuhen. Erst seit kurzer Zeit ist es Ärzten möglich, ausschließlich per Video zu beraten und Arzneimittel zu verordnen. (Technischer) Vorreiter in dieser bislang kurzen Entwicklungszeit ist das Unternehmen Teleclinic, das unter anderem die technische Basis für das Modell der KV Baden-Württemberg (DocDirekt) entworfen hat, das nun im GERDA-E-Rezeptprojekt genutzt wird. Mit apotheken.de betreibt die Teleclinic für den PKV-Bereich ein weiteres Konzept, bei dem sich Patienten online beraten lassen können.

Doch seit Ende 2019 hat Teleclinic ernst zu nehmende Konkurrenz aus dem Ausland: Der schwedische Konzern Kry startete kürzlich seine Arzt-App. Bei den Apothekern sorgte der Konzern für Unruhe, weil Kry bei der Weiterleitung der Rezepte (per Fax) mit DocMorris kooperiert. Kry besteht allerdings darauf, dass der EU-Versender im Verordnungsprozess an keiner Stelle gegenüber den Apotheken vor Ort bevorteilt werde. Das Unternehmen startete 2015 in Schweden und ist inzwischen neben Deutschland unter anderem in Frankreich und Großbritannien aktiv. Eigenen Angaben zufolge arbeiten mehr als 700 Ärzte für Kry, bisher seien mehr als eine 1,4 Millionen Konsultationen durchgeführt worden.

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Kry teilte nun mit, weiter expandieren zu wollen. In einer weiteren Finanzierungsrunde habe man sich 140 Millionen Euro gesichert. „Das Unternehmen will damit seine ehrgeizigen Wachstumspläne in Europa beschleunigen und so die Art und Weise verändern, wie Millionen von Patienten im digitalen Zeitalter Zugang zu Gesundheitsdiensten erhalten“, heißt es in der Mitteilung. Die Finanzierungsrunde wurde von Ontario Teachers‘ Pension Plan, Kanadas größtem Rentenfonds, über seine Teachers‘ Innovation Platform (TIP) angeführt. Die bestehenden Investoren von Kry (Index Ventures, Creandum und Accel) hätten ebenfalls an der Runde teilgenommen. Maggie Fanari, Geschäftsführerin des TIP-Teams der Ontario Teachers‘, werde dem Board von Kry beitreten.

Mit dem Kapital wolle man in Europa neue Märkte erschließen „und so Millionen weiterer Patienten die Vorteile seiner Technologie zugänglich machen“, heißt es. Die Gelder würden in die Innovation und Weiterentwicklung des Produktangebots in den bestehenden Märkten Schweden, Großbritannien, Frankreich, Norwegen und Deutschland fließen. Darüber hinaus werde man neue Fachkräfte anheuern, um den Fortschritt im digitalen Gesundheitswesen weiter voranzutreiben.

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