Melbourne schlittert in 2. Lockdown: 3 Corona-Fehler, die ein Alarmsignal für uns sind

Während die meisten Bundesstaaten und Territorien in Australien recht erfolgreich im Kampf gegen das Coronavirus sind, gibt es einen Hotspot, der die Zahl der Neuinfektionen seit Ende Juni kontinuierlich steigen lässt: Melbourne. Grund dafür sind vor allem missachtete Corona-Regeln.

In Australien steigt die Zahl der mit dem Coronavirus infizierten Menschen seit Ende Juni stark an. Ende Juli und Anfang August meldeten die dortigen Behörden mehr als 700 Neuinfektionen am Tag. Das ist eine weit höhere Zahl als die, die Australien in der ersten Corona-Welle im März und April verzeichnete. Damals lag der Höhepunkt der Neuinfektionen laut Johns Hopkins University am 28. März bei knapp 500 Neuinfizierten.

Doch Australien reagierte schnell und die Fallzahlen sanken rasant. Schon Mitte April waren sie auf ein niedriges Niveau gefallen und verharrten dort im Mai und größtenteils auch im Juni. Es sah also ganz so aus, als ob Australien das Virus im Griff hatte.

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Die Seite Endcoronavirus.org, die die Entwicklung der Neuinfektionen in Ländern weltweit unter die Lupe nimmt, ordnete noch Ende Juni Australien zu den Ländern, die es fast geschafft und das Coronavirus bald besiegt haben könnten.

Die Seite Endcoronavirus.org wurde von Professor Yaneer Bar-Yam gegründet, der auch Gründungspräsident der US-Forschungseinrichtung New England Complex Systems Institute in Cambridge ist. Der Komplexitätsforscher kennt sich mit Pandemien aus und forschte bereits an der Bekämpfung von Ebola. Bei Endcoronavirus.org arbeiten nach eigenen Angaben unter anderem mehr als 4000 Wissenschaftler weltweit mit.

Seit Ende Juni steigt die Zahl der täglichen Neuinfizierten aber wieder kontinuierlich an, wie auch auf den Charts von Endcoronavirus.org zu sehen ist. Deshalb ordnen die Experten Australien mittlerweile wieder unter den Ländern ein, die stärker handeln müssen.

endcoronavirus.org  

Die steigenden Zahlen sind insbesondere auf den Bundesstaat Victoria im Südosten Australiens zurückzuführen. Denn während die meisten Bundesstaaten und Territorien in Australien derzeit recht erfolgreich im Kampf gegen das Virus sind, gilt Victoria mit der Millionenmetropole Melbourne als Hotspot.

Lage in Melbourne spitzt sich zu

In Melbourne grassiert bereits seit Wochen eine zweite Corona-Welle. Die Lage spitzte sich in Australiens zweitgrößter Stadt bereits so zu, dass die Behörden wegen der Pandemie die erneuten strikten Ausgangsbeschränkungen, die dort bereits seit einem Monat wieder gelten, weiter verschärfen mussten.

Insgesamt haben sich in Australien seit Anfang des Jahres 21.397 Menschen mit dem Coronavirus infiziert. 313 Menschen sind an den Folgen der Infektion gestorben, mehr als 12.000 Menschen gelten bereits als genesen (Stand: 10. August)

Seit vergangenem Mittwoch (5.8.) sind erneut die meisten Geschäfte, Pubs und Hotels geschlossen. Nur Geschäfte für Lebensmittel, Supermärkte, Apotheken, Postämter und Tankstellen dürfen weiter öffnen. Die Bürger sind, sofern möglich, dazu aufgerufen, im Homeoffice zu arbeiten.

Auch dürfen Melbournes Einwohner nur noch einmal am Tag einkaufen und nicht mehr als eine Stunde Sport machen – und das nur im Umkreis von fünf Kilometern um ihr Zuhause. Die Maßnahmen sollen für sechs Wochen gelten, also bis mindestens 13. September.

Viele Einwohner hielten sich nicht an Quarantäne-Regeln

Der australischen Wirtschaft drohen wegen des erneuten strikten Corona-Lockdowns im Bundesstaat Victoria nach Darstellung von Premierminister Scott Morrison deutliche Einbußen. Die Wirtschaftsleistung werde durch die strengen regionalen Beschränkungen des öffentlichen Lebens im dritten Quartal landesweit um sieben bis neun Milliarden australische Dollar (4,2 bis 5,5 Milliarden Euro) zurückgehen. Zudem werde erwartet, dass die Arbeitslosenquote mit etwa zehn Prozent einen neuen Höhepunkt erreicht.

Für die derzeit enorme Ausbreitung des Virus in Melbourne gibt es mehrere Gründe:

Offenbar haben sich viele Menschen nicht an Quarantäne-Regeln gehalten. Laut Andrews seien bei Überprüfung rund 800 Infizierte – und damit jeder Vierte – nicht zuhause angetroffen worden.

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    Aufgrund dieser zahlreichen Verstöße hat der Bundesstaat die Bußgelder drastisch erhöht. Infizierte, die zum zweiten Mal gegen die Quarantäne-Regeln verstoßen, müssen künftig mit Strafen von 5000 australischen Dollar (rund 3000 Euro) rechnen, bisher waren es 1652 Dollar. Als einzige Ausnahme gelten medizinische Notfälle. Auch die Armee unterstützt die Behörden in Melbourne nun. 500 Soldaten sind zur Überprüfung der dortigen Quarantäne-Bestimmungen abgestellt.

    Massive Fehler in Quarantäne-Hotels

    Zu den vermehrten Fällen in Victoria beigetragen hätten zudem Ausbrüche in Schlachthöfen, wie die Australian Broadcasting Corporation ABC News berichtet, unter anderem in einem Betrieb im Westen von Melbourne.

    Darüber hinaus wurden Fehler in Quarantäne-Hotels für die steigenden Zahlen verantwortlich gemacht. Eigentlich sollten diese Hotels dazu beitragen, das Virus einzudämmen, indem sie Rückkehrer aus dem Ausland 14 Tage lang isolieren. Allerdings hatten sich Angestellte der Hotels und Sicherheitsleute offenbar nicht an die Regeln gehalten und das Virus so verbreitet. Verschiedene Medien berichten, dass es sogar zu sexuellen Beziehungen zwischen dem Wachpersonal und Gästen der Quarantäne-Hotels gekommen sein soll.

    Ausländer dürfen nicht einreisen

    Auch wenn Victoria und insbesondere Melbourne derzeit als Coronavirus-Hotspot Australiens gelten, bleiben die Grenzen des Landes wegen der Pandemie weiterhin grundsätzlich geschlossen. Es werde noch „einige Monate“ dauern, bis wieder Ausländer einreisen dürften, sagte Premierminister Scott Morrison am vergangenen Freitag (7.8.). „Wir haben beschlossen, dass die internationalen Reisebeschränkungen für Ankünfte in Australien in ihrer derzeitigen Form fortgesetzt werden sollen“, so Morrison. Er hoffe aber, dass die Regeln „irgendwann in der Zukunft“ geändert werde könnten.

    Das Einreiseverbot für internationale Besucher gilt seit März. Nur Australier und Menschen mit permanentem Wohnsitz dürfen seither noch ins Land. Zudem gilt auch ein Ausreiseverbot für Australier.

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