Liegt es am Impfstoff oder den Varianten?

Wer ist schuld am Impfstoffdebakel von Curevac? Liegt es an den zahlreichen Varianten oder doch eher am Impfstoffdesign – der nichtmodifizierten mRNA – oder gar der Dosierung? Ein Beitrag in „Science“ lässt Wissenschaftler dazu zu Wort kommen.

Curevac betont gerne, dass vor allem die mittlerweile zirkulierenden Virusvarianten dafür verantwortlich zeichnen, dass der Tübinger Impfstoffkandidat CVnCoV in der zulassungsrelevanten Studie HERALD (siehe Box) einer vorläufigen Datenauswertung zufolge nur zu 47 Prozent wirksam war. Allerdings könnte auch das Design des Impfstoffs selbst dahinter stecken – diese Vermutung äußern Wissenschaftler in einem Artikel im Fachjournal „Science“.

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So bezweifelt Professor Kathleen Neuzil von der University School of Medicine, dass an der schlechten Wirksamkeit die Varianten schuld sind – denn im Gegensatz zu Curevacs CVnCoV wirkten die beiden mRNA-Vakzinen von Biontech/Pfizer und Moderna „sehr gut gegen die Alpha-Variante“. Die Alpha-Variante wurde erstmals in Großbritannien isoliert, zählt zu den sogenannten besorgniserregenden Varianten (VOC, Variants of Concern) und dominiert derzeit noch das Infektionsgeschehen in Deutschland. Die Wissenschaftlerin räumt zwar ein, dass es schwierig sei, verschiedene Studien direkt miteinander zu vergleichen, doch sei es für sie nur schwer vorstellbar, dass die Varianten einen derartigen Einfluss auf die Impfwirksamkeit hätten. Bei anderen Impfstoffen hat sich bislang gezeigt, dass sie trotz der Varianten weiterhin Todesfälle verhinderten, auch wenn der Schutz gegen leichte Erkrankungen schwächer sei. Als schwierig erweist sich dem Beitrag in „Science“ zufolge vor allem die Beta-Variante, die erstmals in Südafrika entdeckt wurde, die aber in der Curevac-Studie nicht gefunden wurde.

Novavax-Wirksamkeit: 90 Prozent – trotz Varianten

Und in der Tat erstaunt, dass auch Novavax vor kurzem Daten zu seinem Impfstoffkandidaten NVX-coV2373 veröffentlichte und auf eine Wirksamkeit von 90,4 Prozent kam. Die Studie fand ausschließlich in den Vereinigten Staaten statt, eingeschlossen waren knapp 30.000 Teilnehmer.

Details zur HERALD-Studie

Die Studie lief mit etwa 40.000 Teilnehmen in zehn Ländern Europas  und Lateinamerikas, wobei 25 Prozent der Studienpopulation in Europa rekrutiert wurden, 75 Prozent in Lateinamerika. Die meisten Probanden (35.000) waren zwischen 18 und 60 Jahre alt, 5.000 Studienteilnehmer waren älter als 60 Jahre (Durchschnittsalter 43 Jahre). Geimpft wurde mit zwei Dosen à 12 µg des mRNA-Impfstoffs CVnCoV von Curevac und das im Abstand von 28 Tagen. Primärer Endpunkt war die Anzahl der Teilnehmer mit PCR-bestätigtem COVID-19 jeglicher Schwere zwischen Tag 1 und 393. Von den in der Studie aufgetretenen COVID-19-Fällen untersuchte Curevac insgesamt 134 (48 in Europa, 86 in Lateinamerika), wobei 119 jüngere Teilnehmer (18 bis 60 Jahre) und 15 Über-60-Jährige erkrankten. Wie viele Teilnehmer in der Placebo- und in der Impfstoffgruppe erkrankten, veröffentlichte Curevac nicht, doch anhand der 47-prozentigen Wirksamkeit bei 134 Fällen, kann man „zurückrechnen“ und kommt man auf etwa 88 Fälle in der Placebogruppe und entsprechend 46 Fälle in der CVnCoV-Gruppe.

Die Varianten in der Studie

Von 124 Coronapatienten sequenzierte Curevac das ursächliche SARS-CoV-2-Virus und wertete die Daten aus. Insgesamt sequenziert wurden laut Curevac jedoch 474 Fälle.
In Europa (44 sequenzierte Fälle) dominierte mit 91 Prozent mit Abstand die Alpha-Variante, die erstmals in Großbritannien entdeckt wurde. Am zweithäufigsten lag die Gamma-Variante vor, diese wurde erstmals in Brasilien nachgewiesen. Mit je 2 Prozent zeichnete die Delta-Variante (Indien) und nicht näher definierte „andere“ Varianten für die SARS-CoV-2-Infektionen verantwortlich.
In Lateinamerika (80 sequenzierte und ausgewertete Fälle) zeichnet sich ein anderes Bild: 33 Prozent Lambda-Variante (C.37, Peru), 22 Prozent Gamma-Variante, 14 Prozent die britische Alpha-Variante, 11 Prozent die Variante B.1.612 aus Kolumbien, 1 Prozent das Wildtypvirus und in 19 Prozent der Fälle nicht näher spezifizierte „andere“ SARS-CoV-2-Varianten.     

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