Länder lassen offenbar Millionen liegen: Die wenigsten Klassenzimmer mit Luftfilter

Nach den Sommerferien sollen alle Schüler wieder in den Präsenzunterricht zurückkehren. Auch aufgrund der sich ausbreitenden Delta-Variante ist dabei höchste Vorsicht geboten. Eine Empfehlung zum Schutz der Schüler waren Luftfilter. Eine Recherche zeigt nun: die wenigsten Klassenzimmer werden im neuen Schuljahr damit ausgestattet sein.

Trotz Empfehlung von Experten werden nach den Sommerferien offenbar die wenigsten Klassenzimmer mit Luftfiltern ausgestattet sein. Das zeigen Recherchen von "Business Insider" in den Ländern. Aus Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt heißt es beispielsweise, der Nutzen sei begrenzt, das herkömmliche Lüften deutlich effektiver. In der Zeit nach der Pandemie würden die Geräte dann nicht mehr gebraucht. Das Fazit: "Es handelt sich damit um keine nachhaltige Investition", heißt es vom Bildungsministerium Sachsen-Anhalt. Ein Förderprogramm gibt es daher nicht.

In Rheinland-Pfalz wurden für 1500 Schulen über ein Landesprogramm gerade mal 1200 mobile Lüftungsanlagen für Klassenzimmer beschafft. Kosten: insgesamt drei Millionen Euro. Die tatsächliche Zahl liegt aber möglicherweise höher, da auch die Kommunen selbst solche Anlagen kaufen. Im Saarland werden mobile Luftfilter nur in Räumen eingesetzt, die sonst nicht richtig gelüftet werden können. Auch hier gab es ein Landesprogramm, über das für 316 Schulen und Hunderte Kitas aber lediglich 610 Geräte für 1,6 Millionen Euro gekauft wurden. In Bayern dagegen will man mit 37 Millionen Euro Luftreinigungsgeräten fördern, zum neuen Schuljahr soll in 60.000 Klassenräumen ein Gerät stehen.

Lehrerchef: Schulen für Ausbreitung der Delta-Variante durch Reiserückkehrer nicht gewappnet

Maike Finnern, Vorsitzende der Bildungsgewerkschaft GEW, warnt im Gespräch mit "Business Insider": "Wir dürfen nicht denselben Fehler machen wie letzten Sommer, als viele dachten, die Coronapandemie sei bereits vorüber." Sie sei dafür, dass es nach den Ferien wieder Präsenzunterricht gebe, doch besonders angesichts der Delta-Variante brauche es "alle Schutzmaßnahmen", sagte sie dem Nachrichtenportal. Dazu gehören Hygienekonzepte, Masken und nach den Sommerferien eine Teststrategie an Schulen, sagt Finnern. Doch bei allen Punkten gibt es noch Fragezeichen. Finnern weiter: "Bund und Länder hätten schon im letzten Jahr Luftfilteranlagen anschaffen können."

"Wir fürchten, dass im Herbst weniger als zehn Prozent der über 650.000 Unterrichtsräume in Deutschland eine Filtertechnik haben werden", kritisierte bereits Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Deutschen Lehrerverbands, in der "Rheinischen Post". Man sei für die bevorstehende Ausbreitung der Delta-Variante durch Reiserückkehrer für den Schulstart nicht genug gewappnet.

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