Ist eine Direktabrechnung schon möglich?

Mit Einführung des E-Rezepts sollen zahlreiche Arbeitsprozesse digitaler und schlanker werden als bisher. Davon ist auch die Abrechnung betroffen. Viele Apotheken haben daher die Hoffnung, dass sie zukünftig direkt mit den Krankenkassen abrechnen können. CGM Lauer bietet diesen Service nun an. Doch unter welchen Umständen funktioniert eine Direktabrechnung überhaupt?

„Jederzeit selbstständig und ohne Beauftragung eines Apothekenrechenzentrums“ sollen Apotheken, die zum Kundenkreis des Softwareanbieters CGM Lauer zählen, ihre E-Rezepte mit den Krankenkassen zukünftig abrechnen können. Hinter dem Angebot „CGM Direktabrechnung“ steckt eine Kooperation mit dem Dresdner IT-Unternehmen Scanacs, das in den vergangenen Jahren immer wieder für dieses Konzept warb. Die Vorteile beschreibt CGM Lauer in dem Schreiben als Maximierung der Liquidität sowie Vermeidung von Retaxationen. Ferner will der Apothekensoftwareanbieter seinen Kunden einen „optimalen Überblick“ über alle eingegangenen, abrechenbaren, stornierten und erledigten E-Rezepte bieten.

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CGM Lauer pusht die Direktabrechnung

Unter den Apothekerinnen und Apothekern hat die Diskussion über die Möglichkeiten der Direktabrechnung spätestens seit September 2020 Fahrt aufgenommen. Damals wurde die Insolvenz des Apothekenrechenzentrums AvP bekannt und plötzlich stand die Branche vor der Frage, wie mit dem Ausfallrisiko der Finanzdienstleister besser umgegangen werden kann. 

Direkte Abrechnung mit den Krankenkassen

Bei einer Direktabrechnung würden die Apotheken ihre Rezepte direkt bei den Krankenkassen einreichen und dann auch direkt von den Krankenkassen bezahlt, also ohne ein Rechenzentrum dazwischen. Auf Grundlage dieser Idee dürfte das Geld auf dem Weg zwischen Krankenkassen und Apotheken nicht verloren gehen. Doch was für die einzelne Apotheke und Verordnung in der Theorie noch nachvollziehbar erscheint, ist in der Praxis deutlich schwieriger vorstellbar. Alle Apotheken müssten mit allen Krankenkassen unmittelbar vernetzt sein, bei denen wiederum alle eingehenden Rezepte dann bearbeitet und die entsprechenden Zahlungen freigegeben werden. Ferner ist die Abrechnung von Arzneimitteln nicht trivial. So ist das Beachten der Herstellerabschläge bisher auch Aufgabe der Rechenzentren.

CGM Lauer und Scanacs wollen mit ihrem Vorstoß diese Strukturen nun endgültig infrage stellen und bieten den Apotheken bis Ende September ein gestaffeltes Early-Bird-Angebot an, je nachdem, ob man sich als Einzelabrechner (200 E-Rezepte pro Monat), Allrounder (1.000 pro Monat) oder Vielabrechner (4.000 pro Monat) sieht. Die Vertragslaufzeit beträgt in allen drei Fällen 24 Monate. Eine solche konkrete Ansage im Hinblick auf die Direktabrechnung scheint eine Premiere zu sein. 

Rechenzentren wundern sich über das Angebot

Beim Verband Deutscher Apothekenrechenzentren (vdarz) hat man sich zwar mit innovativen Abrechnungsmodellen schon intensiv beschäftigt, doch über das Angebot aus dem Haus CGM Lauer wundert sich vdarz-Vorstand Klaus Henkel sehr. Vor allem deshalb, weil es ausschließlich um die (Direkt-)Abrechnung von E-Rezepten gehen soll. In diesem Fall müssten die teilnehmenden Apotheken eine weitere IK-Nummer führen und die Krankenkassen würden die Beträge zukünftig auf mindestens zwei Konten je Apotheke überweisen, meint Henkel. „Ein solches Konstrukt wurde von den Krankenkassen in unseren Gesprächen bisher immer ausgeschlossen“, erklärt er gegenüber der DAZ. Kritisch sieht er auch den Umstand, dass weder CGM Lauer noch Scanacs den Status eines Apothekenrechenzentrums auf Grundlage des Sozialrechts führen. Von daher gebe es auch kein konkretes Finanzierungsangebot seitens CGM Lauer, gegen Gebühr vorab einen Abschlag an die Apotheken zu zahlen, was die Apothekenrechenzentren wiederum für ihr Selbstverständnis halten.

Die Kooperationspartner CGM Lauer und Scanacs sehen in § 300 Abs. 2 Satz 1 SGB V die gesetzliche Grundlage für das Geschäftsmodell der Direktabrechnung. Darin heißt es:

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