Ernährung: Salz bremst Fresszellen aus – Heilpraxis

Salz und die körpereigene Energieproduktion

Salzkonsum erhöht die Konzentration von Natrium im Blut, wodurch laut einer aktuellen Studie die Energieproduktion in den Mitochondrien sinkt. So wird der Energiehaushalt von Immunzellen empfindlich gestört, was deren Funktionsfähigkeit beeinträchtigt.

Die Störung der mitochondrialen Atmung ist der erste Schritt, durch den eine hohe Salzaufnahme mechanistisch die Funktion der Immunzellen beeinflusst, so das Ergebnis einer Untersuchung unter Beteiligung von Forschenden des Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin. Die Studie wurde in der englischsprachigen Fachzeitschrift „Circulation“ publiziert.

Salz stört Energiehaushalt von Immunzellen

Viele Menschen nehmen mit ihrer Ernährung sehr viel Salz auf. Dies kann negative Auswirkungen auf die Gesundheit haben. Zu viel Kochsalz kann nicht nur den Blutdruck erhöhen, es stört zusätzlich auch den Energiehaushalt von Immunzellen erheblich, was die Funktionsfähigkeit der Immunzellen reduziert, erläutert das Team.

Die Arbeitsgruppe um Professor Dominik Müller hatte bereits im Jahr 2015 festgestellt, dass durch erhöhte Natriumkonzentrationen im Blut die Aktivierung und die Funktion der sogenannten patrouillierenden Monozyten (Vorläuferzellen von Makrophagen) beeinflusst wird. Bisher wussten die Forschenden nicht, was bei diesem Prozess genau in der Zelle passiert.

Salz führte nach drei Stunden zu Veränderungen

Die Fachleute analysierten für ihre Untersuchung zunächst im Labor den Stoffwechsel von Immunzellen, welche zuvor erhöhten Salzkonzentrationen ausgesetzt waren. Bereits nach einem Zeitraum von lediglich drei Stunden konnten verschiedene Veränderungen beobachtet werden.

Auswirkungen von Salz auf die Zellen?

„Die Atmungskette wird unterbrochen: Die Zellen produzieren weniger ATP und verbrauchen weniger Sauerstoff“, erklärt Studienautorin Sabrina Geisberger vom Berlin Institute for Medical Systems Biology (BIMSB). ATP (Adenosin-Triphosphat) gilt als der universelle Kraftstoff aller Zellen und liefert Energie für die Synthese von Proteinen und anderen Molekülen für die Muskelkraft und die Regulation des Stoffwechsels.

Was ist die Atmungskette?

ATP wird in den Mitochondrien durch die Umwandlung von verschiedenen Nährstoffen produziert, dafür wird eine komplexen Folge von biochemischen Reaktionen benötigt, die auch als sogenannte Atmungskette bezeichnet werden. Die Fachleute erklären hierzu, dass Kochsalz sehr spezifisch den Komplex II der Atmungskette inhibiert.

Auswirkungen des Energiemangels durch Salz

Wegen des auftretenden Energiemangels reifen die Monozyten anders aus, berichtet das Team. „Die Fresszellen, deren Aufgabe es ist, Krankheitserreger im Körper aufzuspüren und zu beseitigen, konnten einerseits Pathogene besser bekämpfen. Andererseits könnten Entzündungsprozesse dadurch eher gefördert werden, was unter Umständen das kardiovaskuläre Risiko erhöht“, erklärt Studienautor Professor Dominik Müller vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC) in einer Pressemitteilung.

Professor Markus Kleinewietfeld von der Universität Hasselt und Professor Jonathan Jantsch von der Universität Regensburg konnten bei einer Untersuchung von humanen Monozyten und Makrophagen nachweisen, dass in humanen Fresszellen Salz in gleicher Weise die Funktion beeinflusst.

Zudem wurde in einer Studie am ECRC, einer gemeinsamen Einrichtung des MDC und der Charité – Universitätsmedizin Berlin, männlichen Teilnehmern für einen Zeitraum von 14 Tagen zusätzlich zu ihrer normalen Ernährung täglich eine Dosis von sechs Gramm Kochsalz in Form von Salztabletten verabreicht. Und in einer weiteren klinischen Untersuchung analysierten die Fachleute, wie sich der Verzehr von Pizza auf den Zustand der Monozyten im Blut auswirkt.

Dabei zeigte sich, dass nicht nur eine längerfristig erhöhte Salzzufuhr mit einem dämpfenden Effekt auf die Mitochondrien verbunden ist, sondern bereits ein einmaliger Pizzakonsum dafür ausreicht. Den Teilnehmenden wurde nach drei und nach acht Stunden Blut abgenommen. So stellte sich allerdings auch heraus, dass der Effekt bei der zweiten Probe kaum noch messbar war.

Dauerhafte Hemmung der Mitochondrien-Aktivität?

„Das ist auch gut so. Denn wäre es zu einer langanhaltenden Störung gekommen, müsste man sich Sorgen machen, dass die Zellen längerfristig nur eingeschränkt mit Energie versorgt werden“, so Professor Dominik Müller. Diese zeige, dass die Mitochondrien-Aktivität nicht dauerhaft gehemmt ist. Es sei allerdings keineswegs auszuschließen, dass mehrfach am Tag zu sich genommene salzige Mahlzeiten zu Akkumulationseffekten beitragen. Dies müsse jetzt genauer untersucht werden, fügen die Fachleute hinzu.

Lebensmittel enthalten häufig viel Salz

Die verzehrte Pizza in der Studie enthielt insgesamt zehn Gramm Salz. Laut den Empfehlungen von Ernährungsgesellschaften sollten erwachsene Personen täglich jedoch nicht mehr als fünf bis sechs Gramm zu sich nehmen, wobei sogenanntes verstecktes Salz in verarbeiteten Lebensmitteln bereits eingerechnet ist, betonen die Forschenden.

Natriumion hemmt zentrales Enzym der Atmungskette

„Die grundlegende Erkenntnis unserer Studie ist, dass so ein kleines Molekül wie das Natriumion ein ganz zentrales Enzym der Atmungskette extrem effizient hemmen kann“, erläutert Studienautor Dr. Stefan Kempa. „Wenn diese Ionen in die Mitochondrien einströmen – und das tun sie unter verschiedenen physiologischen Bedingungen – regulieren sie den zentralen Punkt in der Elektronentransportkette“, fügt der Experte hinzu. Also scheine es sich um einen sehr grundlegenden Regulationsmechanismus der Zelle zu handeln.

Wie wirkt sich Salz auf andere Zelltypen aus?

In Zukunft sollte untersucht werden, ob es möglich ist, den identifizierten Mechanismus auch bei anderen Zelltypen durch Salz zu beeinflussen. Nach Ansicht von Markus Kleinewietfeld sei dies sehr wahrscheinlich, weil sich Mitochondrien nicht nur in Immunzellen finden, sondern in jeder Körperzelle, mit der Ausnahme von roten Blutkörperchen. Besonders viele Mitochondrien seien dort vorhanden, wo viel Energie verbraucht wird, beispielsweise in Muskel-, Nerven-, Sinnes- und Eizellen, erläutert das Team.

Zu viel Salz schlecht für die Gesundheit

Es sei zwar immer noch unklar, wie bei bestimmten Zelltypen der Natriumeinstrom in die Mitochondrien reguliert wird, die Ergebnisse der aktuellen Untersuchung unterstützen jedoch die Aussage, dass ein zu hoher Salzkonsum durchaus die Gesundheit beeinträchtigen kann, so das Team.

„Man denkt natürlich zuerst an das kardiovaskuläre Risiko. Doch mehrere Studien haben gezeigt, dass Salz Immunzellen auf verschiedenste Weise beeinflussen kann. Ist ein so fundamentaler Zellmechanismus langfristig gestört, könnte sich das nachteilig auswirken. Entzündliche Erkrankungen an Gefäßen, an Gelenken oder Autoimmunerkrankungen könnten dadurch möglicherweise begünstigt werden“, fügt Studienautor Markus Kleinewietfeld hinzu. (as)

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