Erkrankte sind hochinfektiös – jetzt ist klar, wann sie nicht mehr ansteckend sind

Eine Gruppe von Forschern aus Singapur hat bei einem Vergleich verschiedener Studien herausgefunden, dass Covid-19-Erkrankte ab einem bestimmten Zeitpunkt nicht mehr ansteckend sind – trotz positiver Tests. Diese Erkenntnis könnte sich künftig auf die Dauer der Isolation und die Entlassung von Erkrankten auswirken.

Die Infektionsrate so niedrig wie möglich halten – das ist die Devise im Kampf gegen Corona, solange es noch keinen Impfstoff und kein Medikament gegen das Virus gibt. Durch die verlangsamte Verbreitung soll verhindert werden, dass Gesundheitssysteme und Krankenhäuser überlastet werden und kollabieren – so wie es in Ländern wie Italien, Spanien und den USA der Fall war.

Positiver PCR-Test sagt nichts über Infektiosität des Erkrankten aus

Ein wichtiges Kriterium zur Entlassung von Patienten aus der Quarantäne oder der Isolation ist in vielen asiatischen Ländern ein negativer PCR-Test – bei diesem werden Abstriche aus Nase und Rachen genommen und auf Virus-RNA getestet. 

Doch nun haben Forscher des Nationalen Zentrums für Infektionskrankheiten und der Akademie für Medizin in Singapur festgestellt, dass Covid-19-Patienten trotz positiver Testergebnisse ab einem bestimmten Zeitpunkt gar nicht mehr infektiös sind. Dazu haben eigene sowie Studien aus Taiwan, Hongkong und anderen Ländern verglichen und analysiert.

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Daraus ergab sich, dass Covid-19-Erkrankte schon zwei Tage vor Auftreten von Symptomen ansteckend sind – und maximal bis zu zehn Tage danach. Sie stellten fest, dass die Virus-Reproduktion nach der ersten Woche schnell abfällt, so dass nach der zweiten Woche trotz positiver Test-Ergebnisse kein lebensfähiges Virus gefunden werden konnte.

Höhepunkt der Ansteckungsgefahr liegt 0,7 Tage nach Auftreten der Symptome

Diese These untermauert eine Studie aus Hongkong von 77 Infizierten-Paaren, also jeweils einem Infizierten und einer Person, die er angesteckt hat. Dabei zeigte sich, dass bei einer mittleren Inkubationszeit von 5,2 Tagen die Ansteckungsgefahr 2,3 Tage vor dem Auftreten der Symptome begann und ihren Höhepunkt 0,7 Tage danach erreichte. Danach nahm sie innerhalb von sieben Tagen ab.

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Bei einer Studie aus Taiwan konnte man bei 22 Infizierten und den von ihnen angesteckten Personen feststellen, dass die Infektionsübertragung von einer Person zur nächsten innerhalb von fünf Tagen nach Auftreten von Symptomen geschah – und keine einzige später als das.

In 95 Prozent der Fälle dauert es bis zu einem Monat bis Test negativ ausfällt

Mikrobiologische Daten von 766 Covid-19-Patienten aus Singapur wiederum zeigten, dass am 15. Tag nach Auftreten der Erkrankungssymptome lediglich 30 Prozent einen negativen PCR-Test haben. Am 21. Tag steigt der Anteil auf 68 Prozent und ab dem 28. Tag auf 88 Prozent. Erst 33 Tage nach der Erkrankung waren 95 Prozent der Tests negativ.

 

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  • Bei fünf Prozent der Testgruppe konnte also das Virus bis zu einem Monat nachgewiesen werden. Dies bedeutet aber nicht, dass diese Patienten noch ansteckend waren. Deshalb folgerten die Forscher, dass der PCR-Test zwar noch virale Bestandteile anzeigt, diese aber nicht mehr infektiös sind.

    Virenausscheidung in der ersten Erkrankungswoche am höchsten

    Das zeigten auch die Testauswertungen von 73 Covid-19-Patienten einer lokalen Studie aus Singapur. Gerade wenn die Viruslast im späteren Verlauf der Erkrankung niedrig war, konnte trotz positivem Ergebnis kein lebendes und somit ansteckendes Virus isoliert und kultiviert werden – und zwar ab dem 11. Tag der Erkrankung.

    Das bestätigen auch Ergebnisse deutscher Studien, die nachweisen konnten, dass die Virenausscheidung in der ersten Woche der Erkrankung sehr hoch ist. Im Hustenauswurf nahm sie zwischen dem 10. und 11. Tag ab und in Rachenabstrichen war sie nach dem 5. Tag nicht mehr nachweisbar. In Proben von Hals und Lunge konnten nach dem 8. Tag gar keine infektiösen Viren mehr nachgewiesen werden, obwohl der PCR-Test noch eine hohe Virenlast anzeigte.  

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    Singapur will nun anhand dieser Studien evaluieren, ob Covid-19-Kranke möglicherweise früher aus Isolierstationen entlassen werden und diese so entlastet werden könnten – je nach Verlauf und Wohlbefinden der Patienten. In Singapur liegt die Zahl der Infizierten laut Johns-Hopkins-Universität bei derzeit 31.960 – verstorben sind bisher nur 23 Menschen.

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