Ein Joghurt gegen Corona? Behauptung von Molkerei-Firma in Südkorea sorgt für Ärger – und Razzien

Ein Joghurt, der das Coronavirus bekämpft? Genau das hat die südkoreanische Molkerei-Firma Namyang behauptet. Genauer gesagt geht es um einen Joghurt-Drink namens Bulgaris. Auf einer Konferenz, Mitte April vom Korea Research & Institute of Bio Medical Science veranstaltet wurde, präsentierte der Leiter des internen Forschungsinstituts von Namyang Dairy die Ergebnisse seiner Forschung zum besagten Joghurtgetränk.

"Wir sind das erste Unternehmen des Landes, das entdeckt hat, dass fermentierte Milchprodukte Influenza und Covid-19-Viren wirksam vorbeugen", sagte Park Jong-su während der Konferenz, wie die Zeitung "Korea Herald" berichtete. Experimente hätten gezeigt, dass das Produkt Bulgaris dazu beigetragen habe, das Influenza A-Virus (H1N1) mit einer Erfolgsrate von 99,999 Prozent und das Coronavirus mit einer Erfolgsrate von 77,8 Prozent zu entfernen. Die Tests zum Coronavirus seien dabei an Lungenzellen von Affen durchgeführt worden. 

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Nicht erwiesen, ob Joghurtgetränk beim Menschen wirkt

Diese Nachricht führte zu einem Verkaufsboom bei Bulgaris, wie der "Korea Herald" weiter berichtete. Das Produkt sei vielerorts ausverkauft gewesen. Auch die Aktienkurse der Namyang Dairy Products seien sprunghaft gestiegen.

Doch nach dem Aufwind wurde der Behauptung der Molkerei-Firma schnell der Wind aus den Segeln genommen – sogar die Polizei schaltete sich ein. Bei dem Experiment wurde nach Angaben der Zeitung einfach nur der Joghurt-Drink auf Lungenzellen von Affen geschüttet. Die Chungnam National University führte demnach die Studie durch, die von der Molkerei-Firma bezahlt wurde. Auch die Konferenz sei von Namyang finanziert worden.

Die Korea Disease Control and Prevention Agency sagte, dass Tests am Menschen durchgeführt werden müssten, um herauszufinden, ob ein Lebensmittel wirksam gegen das Coronavirus sei oder sogar Covid-19 heilen könne. Beim Experiment sei das Produkt auf Viren übertragen worden, hieß es von der Agentur. "Dies bedeutet nicht, dass das Produkt das Virus zerstören kann, wenn es sich in einem menschlichen Körper befindet", so ein Beamter. 

Vorwurf des Insiderhandels gegen Namyang

"Weltweit gibt es Hunderte von Medikamenten, die sich bei der Behandlung von Krankheiten als wirksam erweisen, wenn sie an Zellen oder in vitro getestet werden. Die meisten von ihnen erweisen sich jedoch als nicht wirklich wirksam für den menschlichen Körper", sagte Professor Jung Jae-hun von der Gachon University in einem Radiointerview.

Die Regierung in der Hauptstadt Seoul sieht die Behauptung von Namyang kritisch. Das Ministerium für Lebensmittel- und Arzneimittelsicherheit beschuldigte den Konzern gegen das Gesetz über die Kennzeichnung und Werbung von Lebensmitteln verstoßen zu haben. Das Gesetz verbietet Informationen in Werbung, die Verbraucher zu der falschen Annahme führen könnten, dass bestimmte Produkte Krankheiten verhindern oder heilen könnten.

Und die Wertpapierbörse Korea Exchange leitete Ermittlungen gegen die Firma wegen Insiderhandels ein, wie die Zeitung "The Korea Times" berichtete. Namyang wies die Vorwürfe zurück und entschuldigte sich: "Wir entschuldigen uns bei unseren Kunden für das Missverständnis mit unseren Forschungsergebnissen. Der Test basierte nicht auf Tests am Menschen, sondern im zellulären Stadium, aus dem wir seine Wirksamkeit gegen Covid-19 nicht hätten schließen können." 

Seoul


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Verärgerte Investoren rufen zum Boykott auf

Am Freitag kam es dann zu einer Polizei-Razzia im Firmensitz und an weiteren Standorten, darunter ein Labor, von Namyang, wie die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap berichtete. Konkret sei es dabei um den Vorwurf gegangen, dass die Anti-Coronavirus-Wirkung der Joghurtprodukte übertrieben worden sei. Die Polizei erklärte, sie untersuche, wie das Unternehmen der Konferenz beigetreten ist und ob es absichtlich falsche Werbung verwendet hat. Es gehe nicht um die Vorwürfe des Insiderhandels, so ein Beamter.

Zu allem Übel sind auch die Investorinnen und Investoren von Namyang deutlich verärgert. Laut der "Korea Times" forderten sie in sozialen Medien Verbraucherinnen und Verbraucher zum Boykott der Molkerei-Produkte auf, mit Slogans wie "Vergessen Sie nicht, was sie getan haben" und "Sie hätten nicht lügen dürfen, um den Aktienpreis zu manipulieren".

Es ist nicht der erste Skandal um Namyang. Schon 2013 gab es einen Kundenboykott, nachdem herauskam, dass der Konzern kleine Händler gezwungen hatten, Produkte zu kaufen, die bald ablaufen und nur noch eine geringe Haltbarkeit haben, wie "Korea Times" weiter berichtet.

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