Drei Forderungen gegen das Personalproblem

Der Nachwuchsmangel ist eine der größten Bedrohungen für die derzeitige Apothekenlandschaft. Der Bundesverband der Pharmaziestudierenden in Deutschland (BPhD) stellt in einem Positionspapier Forderungen an die Politik, welche dem Problem entgegenwirken sollen. Kann der Verband die Offizin-Apotheke damit unterstützen?

Seit Jahren plagt viele Apothekeninhaber:innen die Sorge, kaum Bewerber zu finden, die in ihrer Offizin arbeiten wollen. Seit fast zehn Jahren listet die Bundesagentur für Arbeit Apotheker als „Engpassberuf“. Und obwohl in jedem Jahr mehr Approbierte von den Universitäten kommen, wächst das Problem. Dafür gibt es vielfältige Gründe. 

Zum einen werden Apotheken bald mehr Personal benötigen als bisher, etwa um pharmazeutische Dienstleistungen anbieten zu können. Zum anderen macht sich der demografische Wandel im zweitältesten Land der Welt bemerkbar. Die Pharmazie-Ingenieure gehen nach und nach in Rente, was vor allem den Apotheken der neuen Bundesländer Probleme beschert. Zudem werden 44 Prozent der Apothekenleiter:innen bis zum Jahr 2031 das Rentenalter erreicht haben. Die Pharmazeut:innen, die von den Universitäten nachrücken, genügen nicht, um dieses Loch zu stopfen. Hinzu kommt, dass mehr und mehr junge Apotheker:innen eine Teilzeitbeschäftigung anstreben.

Erstens: Berufsbild erneuern

Zu allem Übel wollen immer mehr frisch Approbierte in der pharmazeutischen Industrie und in Krankenhausapotheken arbeiten. Das liegt einerseits daran, dass auf die Absolventen dort ein höheres Gehalt wartet. Andererseits ist in Kliniken insbesondere der Job als Apotheker:in auf Station unter Pharmazeut:innen beliebt.

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Für den BPhD ist die Rolle der Stationsapotheker:innen ein gutes Beispiel dafür, in welche Richtung sich Offizinapotheker weiterentwickeln könnten. Er steht hinter der Neuerung des Berufs, „wenn die Vorteile für Patient:innen so klar sind, wie durch Apotheker:innen auf Station“. Parallel zum Beruf solle das Pharmaziestudium auf den neuesten Stand gebracht werden.

All dies erklärten die Pharmaziestudierenden in einem Positionspapier zum Nachwuchsmangel, das sie am gestrigen 22. November veröffentlichten. Beim Personalproblem der Offizinapotheke wollen sie unterstützend zur Seite stehen und Studierende über die Tätigkeit in der Apotheke vor Ort aufklären. 

Zweitens: Studienplätze ausbauen und neue Standorte schaffen

Die Mehrheit der Apothekerschaft fordert, dass die Politik mehr Studienplätze in Deutschland schafft. Auf dem Deutschen Apothekertag 2021 nahmen die Delegierten einen entsprechenden Antrag an: In den nächsten fünf Jahren sollen in ganz Deutschland 30 Prozent mehr Studienplätze bereitstehen.

Der Bundesverband der Pharmaziestudierenden übernimmt diese Forderung und geht dabei sogar einen Schritt weiter: Denn das Nadelöhr auf dem Weg für mehr Studienplätze seien die Kapazitäten, die den Universitäten für Laborpraktika fehlen. Hochschulen könnten nur dann mehr Studierende zulassen, wenn sie Laborplätze, Personal und Material aufstocken. Ohne dies könnte sich nach Einschätzung des BPhD das Studium für Pharmazeut:innen verlängern oder Studierende könnten selektiert werden.

Daher soll die Bundesregierung die nötigen Ressourcen an den Universitäten ausbauen. Sie soll prüfen, bei welchem der 22 Studienstandorte sinnvoll aufgestockt werden könnte und in den Aufbau neuer Pharmazie-Standorte investieren. Mehrere Landesapothekerkammern hatten in den vergangenen Jahren gefordert, Pharmazie-Standorte in Cottbus, Oldenburg und Bielefeld zu eröffnen. Die Regierungen der Länder lehnten konsequent ab.

Drittens: Nachwuchs gewinnen – zusammen mit den Studierenden

Auch mit seiner dritten Idee bezieht sich der BPhD auf einen Antrag, den die Delegierten beim Apothekertag 2021 mit großer Mehrheit angenommen hatten. Die ABDA hatte sich dafür ausgesprochen, zusammen mit seinen Mitgliederorganisationen ein ineinandergreifendes Konzept zur Nachwuchsförderung umzusetzen.

Die Studierenden bekräftigen diese Idee. Sie fordern, dass die Bundesapothekerkammer (BAK) noch 2022 damit beginnt, das Vorhaben umzusetzen. Außerdem soll sie Pharmaziestudierende bei der Nachwuchsförderung einbeziehen.

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