Das Salomon-Paradoxon

Die Lösung eigener Konflikte und Problemstellungen gestaltet sich oft deutlich schwieriger, als anderen Menschen einen guten Ratschlag zu geben. Warum ist das so? Grund dafür, dass wir manchmal vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sehen, ist das Salomon-Paradoxon.

Die biblische Figur des König Salomon, der als dritter König über Israel und Juda im 10. Jahrhundert v. Chr. in Jerusalem gelebt haben soll, ist besonders durch das sogenannte Salomonische Urteil im kollektiven Gedächtnis ge­blieben. Weite Strecken sollen die Menschen damals in Kauf genommen haben, um sich seinen Ratschlag einzuholen. Bekannt ist insbesondere die Schlichtung eines Streits zweier Frauen um ein Kind. Beide behaupteten, die wahre Mutter dieses Kindes zu sein. Nur eine der beiden stimmte dem Vorschlag Salomons zu, das Kind in zwei Teile zu teilen. Durch diese Reaktion soll er die eigent­liche Mutter ermittelt haben, denn diese hätte einer solchen Idee niemals zugestimmt. Diese Erzählung steht seither als das klassische Beispiel der sprichwörtlichen „salomonischen Weisheit“.

Der Name des israelitischen Königs steht für das Phänomen, die Probleme anderer Menschen leichter und umsichtiger betrachten zu können als die eigenen. Auffallend ist dabei, dass Menschen den Konflikten ihrer Mitmenschen mit mehr Einsicht begegnen und obendrein gelassener bleiben. Aus der größeren Distanz lässt sich meist leichter analy­sieren, urteilen und beraten. Prioritäten können besser erkannt und eine verzerrte Wahrnehmung von Sachlagen eher vermieden werden. Eine zu große Nähe kann dagegen eine objektive Beurteilung von Problemen behindern oder sogar unmöglich machen.

Dem Salomon-Paradoxon kann auf zwei unterschiedlichen Wegen begegnet werden. Beide Ansätze verbindet der Grundsatz, dass der Blick von außen – beziehungsweise die Distanzierung vom Problem oder inneren Konflikt, in dem wir uns befinden – zu einer besseren Sichtweise und zu besseren Lösungsstrategien führt. Zum einen kann man tatsächlich den Ratschlag einer außen­stehenden Person einholen, zum anderen kann man sich in Gedanken in die Rolle der beratenden Person be­geben – also Punkt 1 simulieren.

Wie Sie dabei konkret vorgehen können und was grundsätzlich im Umgang mit Betriebsblindheit hilfreich ist, erklärt AZ-Autorin Inken Rutz in der aktuellen AZ 2021, Nr. 30, S. 6

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