Arzt impft Kinder gegen Stiko-Rat: Werde sie nicht ins offene Messer laufen lassen

Die G7-Staaten spenden eine Milliarde Corona-Impfstoffe an ärmere Länder. Ein Arzt erklärt derweil, warum er alle Kinder und Jugendlichen, die wollen, gegen Covid-19 impft. Ab heute beginnen Apotheken mit dem Ausstellen digitaler Impfnachweise. Alle Meldungen rund ums Impfen in Deutschland lesen Sie im Ticker von FOCUS Online.

Informationen zur Coronavirus-Impfung vom 14. Juni 2021

  • Auf dem schnellsten Weg zum Pieks: Hausarzt, Impfzentrum, Drive-In, Newsletter: So kommen Sie jetzt an Ihren Impf-Termin
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Fast halbe Bevölkerung: 48,1 Prozent mindestens einmal geimpft

9.05 Uhr: Im sechsten Monat nach dem Start der Corona-Impfkampagne in Deutschland hat beinahe die Hälfte der Bevölkerung mindestens eine erste Dosis erhalten. Die Quote der erstgeimpften Bürgerinnen und Bürger lag nach Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) vom Sonntag bei 48,1 Prozent, 25,7 Prozent haben bereits den vollen Schutz.

In den aktuellen Zahlen des RKI sind alle Impfungen bis einschließlich Freitag berücksichtigt. Vollständig geimpft sind demnach 21.350.096 Menschen. In den Bundesländern Bremen, Saarland, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen ist bereits mehr als die Hälfte der Bevölkerung mindestens einmal geimpft, in Sachsen sind es allerdings nur 43 Prozent.

Apotheken beginnen ab heute mit dem Ausstellen digitaler Impfnachweise

Montag, 14. Juni, 8.09 Uhr: Menschen, die vollständig gegen das Coronavirus geimpft sind, können sich ab Montag in Apotheken einen digitalen Impfnachweis abholen. Die Apothekerverbände wiesen allerdings darauf hin, dass die Zahl der teilnehmenden Apotheken in den ersten Tagen aus technischen und organisatorischen Gründen noch begrenzt sei und baten um Geduld.

Die Website mein-apothekenmanager.de soll ab Montag anzeigen, welche Apotheke vor Ort den digitalen Impfpass anbietet. 

  • Mehr dazu:QR-Code – Apotheken starten heute: Hier bekommen Geimpfte Ihren persönlichen digitalen Impfnachweis

Der digitale Nachweis ist eine freiwillige Ergänzung des weiter gültigen gelben Impfheftes aus Papier. Deutschland setzt damit ein Vorhaben der Europäischen Union um. Dafür wurden einheitliche Details eines Zertifikats vereinbart, mit dem man Impfungen, Tests und überstandene Covid-19-Erkrankungen nachweisen kann. Die App soll als Beleg bei gelockerten Corona-Beschränkungen eingesetzt werden können und zur Sommerferienzeit Reisen in Europa erleichtern.

Der Nachweis wird in einem sogenannten QR-Code aus schwarzen und weißen Quadraten hinterlegt, der künftig in der Regel mit dem zweiten Impfgang im Impfzentrum oder beim Arzt ausgehändigt wird. Der Code kann dann mit bestimmten Handy-Apps eingescannt und vorgezeigt werden. Neben der App CovPass und der Corona-Warn-App des Bundes wird der Nachweis ab Mittwoch auch über die Luca-App möglich sein.

Nach einer Testphase sollen sich laut Bundesgesundheitsministerium nun nach und nach Impfzentren, Arztpraxen und Apotheken anschließen. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung betonte, es werde aus technischen Gründen nicht sofort einen flächendeckenden Start in den Praxen geben. Michael Kappeler/dpa Jens Spahn (CDU), Bundesminister für Gesundheit, zeigt die App zum digitalen Impfpass.

Ob, ab wann und auf welchem Weg neben Apotheken auch Impfzentren oder Ärzte auch Nachweise für die bereits vor der Einführung vollständig geimpften rund 20 Millionen Menschen ausstellen, hängt vom jeweiligen Bundesland ab. In Bayern oder Sachsen-Anhalt etwa sollen Menschen, die bereits in Impfzentren geimpft worden sind, über eigens eingerichtete Websites Zugang zum Zertifikat bekommen. In Baden-Württemberg sollen Impfnachweise laut Gesundheitsministerium im Laufe der nächsten Wochen nachträglich per Post verschickt werden.

In Thüringen hatte die Kassenärztliche Vereinigung am Freitag dagegen klargestellt, dass eine nachträgliche Ausstellung des digitalen Impfpasses für bereits Geimpfte in den Impfzentren und Impfstellen nicht möglich sei, weil der Aufwand nicht zu bewältigen sei. Auch in Nordrhein-Westfalen hatten die Kassenärztlichen Vereinigungen erklärt, dass in den Arztpraxen und Impfzentren zunächst noch keine elektronischen Impfzertifikate ausgestellt werden könnten.

1900 Menschen bei großer öffentlicher Impfaktion immunisiert

20.26 Uhr: Bei einer großen öffentlichen Corona-Impfaktion bei den MV Werften in Wismar sind am Sonntag nach Werftangaben rund 1900 Menschen gegen das Virus geschützt worden. Jeder Bürger konnte sich auf einem Internetportal für einen Termin anmelden. Allerdings war die Terminliste rasch voll, so dass eine Nachrückliste angelegt wurde. Wie der Wismarer HNO-Arzt Michael Salz berichtete, wurde der Impfstoff des Herstellers Johnson & Johnson verwendet. Gregor Fischer/dpa Impf-Dosen liegen in einer Schale.

Den Angaben zufolge hatte Salz die Impfdosen bestellen können und war auf der Suche nach einem geeigneten Ort, um in kurzer Zeit möglichst viele Impfungen vorzunehmen. Daraufhin erklärte sich MV Werften bereit und funktionierte für diesen Tag die Betriebskantine um. Insgesamt gab es dort 13 Kabinen, in denen gleichzeitig geimpft wurde. Beim Impfstoff von Johnson & Johnson ist nur eine Impfung notwendig.

Arzt impft Kinder entgegen der Stiko-Empfehlung: "Werde sie nicht ins offene Messer laufen lassen"

16.20 Uhr: Pedro Andreo Garcia impft in seiner Praxis alle Kinder und Jugendlichen gegen Corona, die das wollen – und das, obwohl die Ständige Impfkommission (Stiko) die Immunisierung nur bei Kindern mit Vorerkrankungen oder einem hohen Risiko für schwere Covid-19-Verläufe empfiehlt. Gegenüber der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ) begründete der Arzt die Entscheidung mit psychischen Faktoren: "Jugendliche leiden sehr stark und zunehmend stärker unter den bereits lange Zeit andauernden Restriktionen. Ich beobachte in meiner Praxis eine steigende Anzahl von Jugendlichen mit depressiven Verstimmungen und Rückzugstendenzen."

Aber auch die medizinische Situation spiele für ihn eine Rolle. "Tatsächlich erkranken Kleinkinder bis zu Beginn des Schulalters in der Regel mild, obwohl es da auch schwere Verlaufsformen gibt. Langzeitfolgen nach einer Covid-19-Infektion treffen immer häufiger größere Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, auch nach oft nur milder oder moderater Infektion mit dem Coronavirus", erklärte Garcia der "FAZ". Er verlasse sich auf das Urteil von Experten aus ganz Europa, denen zufolge der Biontech-Impfstoff für Jugendliche ab zwölf Jahren sicher und geeignet sei.

Letztlich will der Mediziner die Jüngsten auch vor den Folgen einer potenziellen vierten Virus-Welle bewahren. Neue und zukünftig zu erwartende Virus-Mutationen seien deutlich infektiöser als die bisherigen, sagte er der "FAZ". Und weiter: "Gerade für Kinder und Jugendliche, die dem Geschehen dann ungeimpft und schutzlos ausgeliefert sein werden. Als Kinder- und Jugendarzt mit mehr als 30 Jahren Berufs- und Impferfahrung werde ich meine jungen Patienten nicht in das offene Messer der kommenden Infektionswelle laufen lassen."

G7-Staaten spenden eine Milliarde weitere Corona-Impfstoffdosen an arme Länder

15.59 Uhr: Die G7-Staaten werden eine Milliarde weitere Corona-Impfstoffdosen an ärmere Länder spenden. Die Spenden würden entweder direkt oder durch die Bereitstellung von Mitteln an die globale Impfallianz Covax erfolgen, sagte Großbritanniens Premierminister Boris Johnson zum Abschluss des G7-Gipfels im englischen Cornwall. Nach Angaben von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) haben die G7-Staaten damit bisher insgesamt 2,3 Milliarden Impfdosen zugesagt. Sie sollen demnach bis Ende 2022 verteilt werden.

Deutschland werde sich "in erheblichem Maße" an der Spendenaktion beteiligen, sagte Merkel. Deutschland sei der zweitgrößte Geber in der Impfallianz Covax und habe darüber bereits über eine Milliarde Euro für die Beschaffung von Impfstoffen zur Verfügung gestellt. Damit zeichne Deutschland insgesamt für "350 Millionen Dosen" verantwortlich. Aus eigenen Bestellungen werde Deutschland mindestens 30 Millionen Impfdosen spenden.  Ole Spata/dpa/Symbolbild Eine Arzthelferin impft eine Patentin mit einer Spritze.

Merkel betonte, dass sich die deutschen Impfdosen-Spenden noch erhöhen könnten. "Wenn wir etwas überzählig haben, werden wir das natürlich auch weitergeben", sagte sie. Im Augenblick gebe es aber "das Phänomen, dass nicht alles, was wir bestellt haben und was auch schon an Lieferungen zugesagt war – zum Beispiel von Johnson & Johnson – zum rechten Zeitpunkt geliefert wird". 

Bürgermeister will Moskauer mit Auto-Tombol zur Corona-Impfung motivieren

15.37 Uhr: Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin will die Bewohner der russischen Hauptstadt mit einer Auto-Tombola zur Impfung gegen das Coronavirus motivieren. Wer zwischen dem 14. Juni und 11. Juli seine erste Impfdosis erhalte, nehme automatisch an der Lotterie teil, kündigte Sobjanin am Sonntag an. Pavel Golovkin/AP/dpa

Pro Woche werden fünf Autos im Wert von umgerechnet gut 11.000 Euro verlost. Der eigentliche Hauptgewinn sei aber nicht ein neuer Pkw. "Es ist die eigene Gesundheit und der innere Frieden", betonte der Bürgermeister. Die Impfkampagne in Russland war zuletzt ins Stocken geraten, während die Corona-Fallzahlen landesweit wieder anstiegen. In Moskau meldeten die Behörden am Sonntag rund 7700 Neuinfektionen binnen 24 Stunden. Dies war der höchste Wert seit sechs Monaten.

Um den Anstieg der Fallzahlen zu bremsen und "Menschenleben zu retten", hatte Sobjanin am Samstag angeordnet, dass in der kommenden Woche in Moskau nicht gearbeitet werden soll. Das Dekret betrifft alle Beschäftigten in der Zwölf-Millionen-Metropole, ausgenommen sind systemrelevante Tätigkeiten. Die Betroffenen sollen weiter ihren Lohn erhalten.

Sobjanin ordnete außerdem die Schließung von öffentlichen Spielplätzen bis zum 20. Juni an. Restaurants und Clubs dürfen zwischen 23.00 Uhr und 06.00 Uhr keine Gäste empfangen. Insgesamt meldeten die russischen Behörden seit Beginn der Pandemie mehr als fünf Millionen Corona-Fälle, das ist der weltweit sechsthöchste Wert. Knapp 18 Millionen Russen erhielten bislang mindestens eine Impfdosis, das entspricht rund zwölf Prozent der Bevölkerung.

 

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