Nocebo-Effekt: Wenn allergische Reaktion selbst ohne Pollen eintreten

Frühlingszeit ist Pollenzeit und wie jedes Jahr leiden jetzt wieder viele Allergiker unter lästigem Heuschnupfen.

Bei einem Versuch mit 25 Betroffenen konnte eine erstaunliche Konditionierung auf die Umgebung festgestellt werden. Der Faktor Schlaf spielte hierbei eine wichtige Rolle.

Der umgekehrte Placebo-Effekt

In einem Experiment zum Thema allergische Reaktionen, das das Forschungsteam unter der Leitung von Dr. Luciana Besedovsky und Professor Jan Born vom Institut für Medizinische Psychologie und Verhaltensneurobiologie an der Universität Tübingen durchführte, konnte der sogenannte Nocebo-Effekt erneut bestätigt werden.

Der umgekehrte Placebo-Effekt bewirkt eine klinisch messbare Reaktion trotz Ausbleiben eines direkten Auslösers. Dies lässt sich durch eine konditionierte Reaktion auf eine eigentlich neutrale Situation erklären.

Heuschnupfen ohne Gräser- oder Birkenpollen

Bei 25 getesteten Allergikern konnte in einem Versuchsaufbau nachgewiesen werden, dass es möglich ist, eine allergische Reaktion ohne direkten Kontakt mit Allergenen auszulösen. Den Probanden wurde im ersten Durchlauf ein Nasenspray mit einer bestimmten Duftnote und Allergenen gegeben.

Im zweiten Durchlauf – so die Prämisse – hätte der Duft allein, also ohne die Allergene, ausgereicht, um eine allergische Reaktion hervorzurufen. Tatsächlich waren die Ergebnisse jedoch noch einschlägiger.

Der Teil der Probanden, die acht Stunden geschlafen hatten, mussten den Untersuchungsraum nur betreten, schon tropften ihnen die Nasen.

Schlaf ist ein relevanter Faktor

Den Teil der Probanden, die dazu angehalten waren, wach zu bleiben, ereilte der Nocebo-Effekt nicht. Denn „eine solche Konditionierung – das Lernen einer bedingten Reaktion auf eine an sich neutrale und ungefährliche Situation – [tritt] nur nach einer Schlafphase, die auf die Konditionierung folgt, [auf]“, so die Forscher.

Dies ist darauf zurückzuführen, dass solcherlei Gedächtnisprozesse unter Beteiligung des schlafabhängig arbeitenden Hippocampus ablaufen.

„Erst im Schlaf verfestigen sich die Verbindungen von Raum, Ablauf und allergischer Reaktion.“

Das Fazit, dass es den Nocebo-Effekt bei allergischen Reaktionen gibt, liefert sowohl für die Allergie- als auch für die Schlafforschung entscheidende Hinweise.

Von der direkten Schlussfolgerung, auf Schlaf zu verzichten, um allergischen Reaktionen vorzubeugen, raten Forscher jedoch ab.

Schlaf und Regeneration sind immens wichtig für sehr viele Körperfunktionen – besonders auch für das Funktionieren des Immunsystems.

Quelle

  • Besedovsky, L. (et al.) (2020): Schon der falsche Ort kann eine allergische Reaktion auslösen, abgerufen am 11.05.2020: https://uni-tuebingen.de/universitaet/aktuelles-und-publikationen/pressemitteilungen/newsfullview-pressemitteilungen/article/schon-der-falsche-ort-kann-eine-allergische-reaktion-ausloesen/

Kimberly Papenthin

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