Formel-1-Fahrer im Interview: So hält sich Esteban Ocon fit für die Rennstrecke

Nach sieben Jahren Pause kehrt die Formel 1 an diesem Wochenende für den Großen Preis der Eifel auf den legendären Nürburgring zurück. Mit dabei ist auch Estaban Ocon, der 24-jährige Hoffnungsträger des Rennstalls Renault.

Im Interview verrät der Franzose, wie er sich in dieser – für ihn in doppelter Hinsicht – besonderen Saison körperlich und geistig fit hält für die anspruchsvolle Zeit im Cockpit.

Du musstest dich nach einer Saison als Testfahrer wieder zurück in die Formel 1 kämpfen. Wie fühlt es sich an, wieder zurück zu sein? Fantastisch! Darauf habe ich das ganze letzte Jahr gewartet. Ich bin die ganze Zeit motiviert und hungrig geblieben und wollte so schnell wie möglich zurück sein.

Und als die Nachricht kam, dass es tatsächlich klappt, war ich mehr als glücklich. Das war alles, wovon ich in den letzten neun Monaten geträumt habe.

Die Saison begann später in diesem Jahr, wie hat sich die Corona-Pandemie auf das Training und die Rennen ausgewirkt? Es hat alles massiv beeinflusst. Vielleicht mehr für mich, weil ich die letzte Saison verpasst habe. Anstatt ein Jahr lang zu warten, musste ich 1,5 Jahre warten, was schon sehr lang war.

Dann ging die Saison erst im Juli los und wir mussten viele Rennen fahren, was nicht nur für die Fahrer, sondern auch für das ganze Team sehr hart war.

In der Formel 1 ist man nicht nur ständig auf Reisen, sondern auch auf der Rennstrecke starken Kräften ausgesetzt. Wie machst du dich fit für die Rennstrecke?

Esteban Ocon im Interview

Das Training ist für uns etwas kompliziert, weil wir so viel unterwegs sind. Während der Saison ist es schwierig, so zu trainieren, wie man gerne möchte.

Aber im Winter haben wir die Zeit, Kraft und Ausdauer zu trainieren. Dann leisten wir eigentlich die körperliche Arbeit für die Saison. Währenddessen versuchen wir eher, dieses Niveau zu halten.

Eine Sportart wie Formel 1 hat die Besonderheit, dass man sowohl eine gute Ausdauer als auch Kraft braucht. Beides zu kombinieren, ist gar nicht so leicht, denn es gibt ein Gewicht, das wir Fahrer nicht überschreiten dürfen.

Wie sieht dein tägliches Sportprogramm aus? Im Winter trainiere ich meistens sechs Tage die Woche. Mal ist der Unterkörper dran, vor allem für die Balance und die Koordination.

An anderen Tagen trainiere ich den Rumpf und den Oberkörper. Nachmittags sind eigentlich immer zwei bis drei Stunden Cardio-Training angesagt. Das ist ziemlich anstrengend, und ich bin dann immer froh, wenn Sonntag und damit Ruhetag ist (lacht).

Was ist deine Lieblingssportart neben der Formel 1? Ich gehe ziemlich oft ins Fitnessstudio, aber dieses Jahr ist wegen des Coronavirus alles anders. Wir mussten zu Hause trainieren – mit TRX, Heimgewichten und so weiter.

Ich habe versucht, wie sonst im Winter zu trainieren. Ansonsten liebe ich Mountainbiking. Es ist manchmal ein bisschen riskant und ich muss aufpassen. Aber dieser Risikofaktor macht natürlich auch Spaß.

Du suchst den Adrenalinschub? Ja, ganz genau! (Lacht)

Wie sieht deine Ernährung während der Saison aus? Meine Ernährung ist ganz anders als die von anderen Sportlern. Abgesehen davon, dass ich mich möglichst gesund ernähre, muss ich sehr viel essen – mehr als andere Menschen.

Alle zwei Stunden muss ich etwas zu mir nehmen, um mein Gewicht zu halten. Ich habe einen sehr schnellen Stoffwechsel, das liegt in der Familie.

Wenn du dir etwas gönnen möchtest, was isst du dann? Nutella mag ich gern (lacht)! Wenn ich mal einen Cheat Day habe, esse ich Nutella mit Banane. Dafür brauche ich nicht mal Brot. Perfekt für den Sonntag.

Kochst du selbst? Nein! Ich bin furchtbar im Kochen. Mein Physiotherapeut kocht, oder meine Freundin. Ich versuche definitiv, mich zu verbessern, aber es klappt einfach nicht.

Entweder sind die Mahlzeiten verbrannt oder nicht gar. Deshalb lasse ich lieber Leute ran, die das besser können (lacht).

Wie bereitest du dich mental auf ein Rennen vor? Das muss ja sehr anstrengend sein. Das ist es auch, aber das kommt mit der Erfahrung. Ich fahre Rennen, seitdem ich 7 Jahre alt bin.

Natürlich sind die Rennen länger und anstrengender, aber in der Formel 1 haben wir auch eine lange Aufwärmphase: wenn das Auto auf die Strecke gebracht wird, die Interviews vorher, wenn die Nationalhymne gespielt wird – in all diesen Momenten baut sich der Fokus auf.

Und wenn wir ins Auto steigen, haben wir immer noch ein paar Minuten, um uns vorzubereiten. In diesem Moment sind wir auch ganz allein.

Bist du vor dem Rennen noch nervös? Auf eine gute Art und Weise ja. Es ist ein positiver Stress, der einen besser macht und motiviert. Aber sobald das Rennen losgeht und ich die Startposition verlasse, fällt das von mir ab.

Was tust du, um nach einem Rennen wieder abzuschalten? Normalerweise müssen wir am Sonntagabend reisen. Man sitzt lange und kann nicht viel tun, also schaue ich mir Videos und die Reaktionen auf das Rennen in den sozialen Medien an.

So schalte ich normalerweise ab. Aber am Sonntag ist der Adrenalinspiegel auch noch relativ hoch, der fällt erst so richtig am Montag. Dafür schläft man dann gut!

Mirjam Bittner

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