Spahn will „Therapien“ gegen Homosexualität verbieten

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) plant, sogenannte Konversionstherapien gegen Homosexualität zu verbieten. „Homosexualität ist keine Krankheit, und deswegen ist sie auch nicht therapiebedürftig“, sagte Spahn der „taz“. Gemeinsam mit dem Bundesjustizministerium werde er bis zum Sommer einen Vorschlag für eine Verbotsregelung erarbeiten.

Sogenannte Konversionstherapien verfolgen das vermeintliche Ziel, Schwule und Lesben heterosexuell zu machen. „Ich halte nichts von diesen Therapien, schon wegen meines eigenen Schwulseins“, sagte Spahn. „Ich sage immer: Der liebe Gott wird sich was dabei gedacht haben.“

Der Minister will nun zunächst untersuchen lassen, wie andere Länder mit „Konversionstherapien“ umgehen. Dann soll geklärt werden, wie genau die rechtliche Regelung in Deutschland aussehen soll.

Anbieter nur mit Geldbußen wegen einer Ordnungswidrigkeit zu bestrafen, hält Spahn für „nicht übermäßig abschreckend“. Stattdessen solle „im Sozialrecht erklärt werden, dass es keine Vergütung für diese Angebote geben darf“. Für das Strafrecht sei „noch fraglich, welches Strafmaß angemessen ist“.

„Zerstören das Selbstbild“

Für sein Verbotsvorhaben glaubt Spahn an die Unterstützung seiner Fraktionskollegen: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass es in der Unionsfraktion im Bundestag einen Anhänger von Konversionstherapien gibt“, sagte er der „taz“.

In der Vergangenheit hatte der Gesundheitsminister bei dem Thema noch gezögert. Bei einer Onlinefragestunde im August etwa erklärte Spahn, dass er grundsätzlich nichts von „Konversionstherapien“ halte – aber nicht wisse, wie man sie verbieten könne.

Bis heute gibt es in Deutschland Ärzte, Therapeuten und Prediger, die Homosexuelle umerziehen wollen. Derartige Angebote können Leben zerstören. „Statt den Patienten in seiner homosexuellen Identität zu stärken, zerstören sie sein Selbstbild“, sagte Lieselotte Mahler, Oberärztin an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Charité, im Gespräch mit dem Spiegel (mehr dazu lesen Sie hier bei SPIEGEL PLUS).

Malta ist bislang das einzige europäische Land, das die Pseudotherapien vollständig verboten hat. Dort drohen bei Verstößen bis zu ein Jahr Haft. Daneben sind die Praktiken in einigen Regionen Spaniens untersagt, in den USA verbieten immer mehr Bundesstaaten die Therapien zumindest für Minderjährige.

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