Mythen der Impfgegner

Auf der einen Seite stehen die Empfehlungen von Bundesbehörden und Ärzteverbänden sowie ein Großteil der Berichterstattung in Medien. Auf der anderen vorwiegend homöopatisch und anthroposophisch ausgerichtete Ärzte sowie diverse impfkritische Internetseiten und Buchautoren. Die einen raten zur Masernimpfung. Die anderen raten davon ab.

Was ist dran an den Argumenten der Impfgegner?

Fehlender Nestschutz erhöht das Masern-Risiko für Säuglinge

„Die Tatsache, dass Säuglinge meist überhaupt nur deshalb von Masern und damit von vermeidbaren Komplikationen bedroht sind, WEIL so viel geimpft wird, interessiert kaum jemanden. Frauen, die in ihrer Kindheit Masern erlebten, sind zeitlebens extrem immun gegen die Krankheit und übergeben diese starke Immunität in Form des sog. Nestschutzes an ihre neugeborenen Kinder. Das bedeutet, dass Säuglinge in den ersten so kritischen Lebensmonaten durch die Antikörper der Mutter vor Masern geschützt sind. Geimpfte Mütter können ihren Säuglingen hingegen keinen derart stabilen Nestschutz vermitteln.“ (zentrum-der-gesundheit.de)

Grundsätzlich stimmt es: Mütter, die Masern hatten, geben ihren Babys im Schnitt einen länger anhaltenden Netzschutz mit als Mütter, die gegen die Masern geimpft wurden. Frauen, die weder die Masern hatten noch dagegen geimpft sind, übertragen gar keine schützenden Antikörper gegen Masern.

Dennoch ist es zynisch, das als Argument gegen eine Impfung anzuführen: Die angeblich bessere Alternative würde bedeuten, dass alle Mädchen in ihrer Kindheit die Masern durchmachen sollten – mit billigender Inkaufnahme der damit verbundenen Risiken.

Außerdem ist zu bedenken: Es gibt keine Daten über die Altersverteilung der Masernkranken vor Einführung der Impfung. Anzunehmen ist aber, dass trotz Nestschutz auch Kinder unter fünf Jahren erkrankten, die ein höheres Risiko für Komplikationen haben.

Quelle: Robert Koch-Institut – Wer erkrankt in Deutschland an Masern?


Die Masern wurden durch die Lebensbedingungen ungefährlich, nicht durchs Impfen

„Mit den immer besser werdenden Lebensbedingungen seit Anfang des 20. Jahrhundert wurden Masern immer harmloser, lange vor dem Beginn der Impfungen.“ (impfungen-und-masern.de)

Ja, wenn Kinder nicht durch chronischen Durchfall, Parasiten oder Mangelernährung geschwächt sind, ist das beim Durchstehen der Masern von Vorteil. Die Masern-Sterblichkeit ist deshalb in Entwicklungsländern deutlich höher als in Industrienationen. Die als Masern-Folge häufiger auftretenden Bakterieninfektionen haben durch Antibiotika einen Großteil ihres Schreckens verloren.

Vor Einführung der Impfung erkrankten etwa 95 Prozent der Menschen in Deutschland in Kindheit oder Jugend an Masern. Die genaue Altersverteilung ist nicht bekannt, da sie nicht erfasst wurde, man geht jedoch davon aus, dass vor allem Kinder betroffen waren, bei denen Komplikationen sehr selten sind. Das Robert Koch-Institut (RKI) geht daher für die Jahre vor dem Einführen der Impfung von einem Todesfall pro 10.000 Erkrankten aus.

Die US-Seuchenschutzbehörde CDC nennt folgende Zahlen: Vor 1963 habe es schätzungsweise drei bis vier Millionen Masern-Fälle im Jahr gegeben, mehr als die Hälfte der Erkrankten waren zwischen fünf und neun Jahre alt, 90 Prozent hatten die Masern durchgemacht, ehe sie 15 Jahre alt wurden. Etwa 500 Todesfälle gab es im Jahr – also einen auf 6000 bis 8000 Erkrankte.

Wie wäre also die Situation in Deutschland heute ohne Masernimpfung? Dann würden pro Jahr gut 600.000 Menschen – vorwiegend Kinder – erkranken. Etwa 60 von ihnen würden sterben – trotz guter Lebensbedingungen. Deutlich mehr würden bleibende Schäden, wie etwa den Verlust des Gehörs, davontragen. Wie ist die Situation mit Masernimpfung? In den Jahren seit 2001 gab es pro Jahr zwischen 123 und 6139 Masern-Fälle in Deutschland. Es gibt vereinzelte Todesfälle.

Quellen: Robert Koch-Institut – Wer erkrankt in Deutschland an Masern?, US-Seuchenschutzbehörde CDC zu Masern


Geimpfte sind gesünder als Ungeimpfte

„Studien belegen: UNgeimpfte sind gesünder als Geimpfte.“ (torstenengelbrecht.com)

Epidemiologische Studien, die dies belegen, haben wir nicht gefunden.

Als Belege für diese These werden unter anderem Umfragen ausgewiesen, die impfkritische Eltern und Ärzte gesammelt haben. Umfragedaten sind immer mit gewisser Vorsicht zu betrachten; wenn es um ein ideologisch so stark besetztes Thema geht, umso mehr.

Eine Studie, die ebenfalls angeführt wird, stellt einen Zusammenhang zwischen häufigeren Impfungen und höherer Kindersterblichkeit her. Die Daten stützen sich allerdings auf eine willkürliche Auswahl von Ländern (die USA und die Nationen, in denen die Kindersterblichkeit noch niedriger ist als dort), die Autoren betrachten lediglich ein Jahr, es bestehen zudem erhebliche Ungenauigkeiten bei der Berechnung, wie viele Impfungen Kinder unter einem Jahr überhaupt erhalten.

Unterm Strich ist es also eine denkbar schlechte Untersuchung. Pikant: Die Studienautoren hatten erst einmal verschwiegen, dass sie für Impfkritiker arbeiten – dies wurde erst später ergänzt.

Quelle: Studie in „Human & Experimental Toxicology“


Fledermäuse bedrohen das Ziel der Masern-Austrottung

„Das Masernvirus ist nicht auszurotten! Unsere Regierung hat der Weltgesundheitsbehörde WHO versprochen, die Masern in Deutschland bis 2015 durch eine Erhöhung der Durchimpfungsraten auszurotten. Jedoch haben erst kürzlich Forscher das Masernvirus auch in Fledermäusen entdeckt. Um das Virus voll und ganz auszurotten, müsste man also entweder alle Fledermäuse gleich mit impfen – oder ebenfalls ausrotten.“ (impfkritik.de)

Die Forscher um den Virologen Christian Drosten von der Universität Bonn haben ein mit dem Masern-Erreger nah verwandtes Virus in Fledermäusen entdeckt, nicht das Masernvirus selbst.

Drosten schreibt in einer E-Mail an SPIEGEL ONLINE: „Meine Interpretation ist durchaus, dass bisher unbekannte Tier-Viren die Erfolgsaussichten von ‚menschlichen‘ Eradikationsprogrammen infrage stellen können.“ Bislang gibt es dafür allerdings nur Hinweise. Auch würde das laut Drosten die Impfung nicht infrage stellen. „Wir impfen nur in zweiter Linie wegen der Eradikationsaussicht. In erster Linie geht es um den Schutz der Bevölkerung vor Infektionen – ganz egal ob in zehn oder hundert Jahren eine Eradikation gelingt.“ Influenza werde man zum Beispiel nie ausrotten können, trotzdem sei das eine der wichtigsten Impfungen. „Die neuen Erkenntnisse über Erreger in Tieren bedeuten im Gegenteil, dass man nicht irgendwann leichtfertig aufhören sollte, zu impfen, weil man glaubt, der Erreger sei nun eradiziert.“

Drosten: „Ganz klar werden meine Forschungsergebnisse von Impfgegnern missbraucht, um deren ganz und gar verdrehte Argumentation zu unterstützen.“

Quelle: Studie in „Nature Communications“


Fit oder tot: Unverständnis in Sachen Infektionskrankheiten

„Es ist das Wesen einer Infektionskrankheit, dass sie entweder ohne jeden zurückbleibenden Schaden überstanden wird oder aber zum Tode führt.“ (impfungen-und-masern.de)

Zitiert wird an dieser Stelle aus einem Buch aus den Sechzigern, das der Aussage schon widerspricht. Dort beginnt das Kapitel über die Masern wie folgt: „Die meist gutartige Maserninfektion gehört zu den ernstzunehmenden Erkrankungen, weil bei einem gewissen Prozentsatz der Kinder Komplikationen vonseiten der Atemwege oder des Zentralnervensystems auftreten, die tödlich verlaufen oder Dauerschäden verursachen können.“

Dass die Aussage der Impfgegner hanebüchen ist, zeigt sich auch anhand anderer Infektionen – nur einige Beispiele: Polio nennt sich auch Kinderlähmung, weil dauerhafte Lähmungen auf die Erkrankung folgen können. Bestimmte Stämme von HPV sind an der Entstehung von Gebärmutterhalskrebs beteiligt, eine Erkenntnis, für die der deutsche Forscher Harald zur Hausen den Nobelpreis erhielt.


MMR-Impfung und Autismus: das Wakefield-Debakel

Seit letzter Zeit gibt es eine kontrovers geführte Diskussion über den Zusammenhang zwischen der MMR-Impfung und dem Auftreten von Autismus und Morbus Crohn- ähnlichen Krankheit. Angefacht hatte dies das Forscherteam um um A. J. Wakefield.“ (impfschaden.info)

Sich im Jahr 2015 noch auf die Wakefield-Studie zu berufen, geht nicht. Sie wurde 2010 vom „Lancet“ zurückgezogen. Andrew Wakefield musste sich vor dem britischen „General Medical Council“ (GMC) verantworten. Der bestätigte unter anderem: Der Arzt hatte ein Jahr vor dem Erscheinen des Fachartikels ein Patent auf einen alternativen MMR-Impfstoff angemeldet und war mit Anwälten verbandelt, die Eltern autistischer Kinder vor Gericht in Prozessen vertreten wollten. Wakefield hatte also ein Interesse, den am Markt befindlichen Impfstoff zu diskreditieren, was ihm auch nachhaltig gelang. Sein Verhalten war in vielerlei Hinsicht unethisch und unehrlich, konstatierte der GMC.

Sein Studienergebnis konnten diverse andere Forschergruppen nicht bestätigen, seine These gilt als widerlegt.

Quellen: Abschlussbericht des General Medical Council zu Wakefield, zurückgezogene Studie im „Lancet“, zum Weiterlesen: der Wakefield-Fall im „British Medical Journal“. Studien zum Zusammenhang Autismus – MMR-Impfung. WEITERE FAKTEN ZU MASERN UND IMPFUNG

  • CorbisMasern: Zu Krankheit und Impfung gibt es viele Fragen – und leider auch grobe Fehlinformationen. Die wichtigsten Fakten im Überblick.
  • Wie gut schützt die Imfpung? Welche Risiken birgt sie?
  • Stärkt es das Immunsystem, die Masern durchzumachen?

Was ist mit Impf-Zusatzstoffen wie Quecksilber oder Aluminium?

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