Wie Schriftsteller Roald Dahl seine kleine Tochter verlor – und was er seitdem über Impfungen dachte

Roald Dahl gilt noch heute als beliebtester Kinderbuchautor Großbritanniens. Von ihm stammen Klassiker wie „Matilda“, „Charlie und die Schokoladenfabrik“ oder „Sophiechen und der Riese“. Und auch im echten Leben liebte er Kinder; mit seiner Frau Patricia hatte er selbst fünf. Seine Enkelin Sophie Dahl, später bekanntes Model, erinnert sich stets liebevoll an ihren 1990 verstorbenen Opa.

Was viele nicht wissen: Dahl erlitt einen schweren Schicksalsschlag. 1962 starb seine älteste Tochter Olivia mit nur sieben Jahren. Den Autor warf dieses Ereignis völlig aus der Bahn. Was ihm aber schließlich wichtig war: Andere Eltern vor einem ähnlichen Erlebnis bewahren zu wollen. Deshalb verfasste er 1986, als die medizinische Forschung fortgeschrittener war, einen offenen Brief an ein Medizinjournal. Liest man seine berührenden Zeile heute, haben sie leider nichts von ihrer Dringlichkeit und Relevanz verloren. 

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Animationsspaß aus Kinderbüchern

Roald Dahls Tochter erkrankte an Masern

„Olivia, meine älteste Tochter, steckte sich mit Masern an, als sie sieben Jahre alt war“, schreibt Dahl. „Als die Krankheit ihren üblichen Verlauf nahm, kann ich mich erinnern, wie ich ihr oft vorgelesen habe, während sie im Bett lag und mir keine allzu großen Sorgen machte. Eines Morgens, als es ihr schon deutlich besser ging, zeigte ich ihr, wie man aus bunten Pfeifenreinigern kleine Tiere formen konnte. Als sie dran war, es selbst zu versuchen, bemerkte ich, dass ihr Kopf und ihre Finger nicht zusammenarbeiteten. Sie konnte nichts mit ihren Händen machen.

„Fühlst du dich gut?“, fragte ich sie. „Ich bin so müde“, war ihre Antwort. Eine Stunde später war sie bewusstlos. Zwölf Stunden später war sie tot. Die Masern hatten sich in eine furchtbare Sache namens Masernencephalitis verwandelt und es gab nichts, was die Ärzte tun konnten, um sie zu retten.“

Die Ärzte waren hilflos, es gab keine Rettung

Der legendäre Schriftsteller erklärt, dass selbst 1986, als er seinen Brief schreibt, eine solcher Auswuchs der Masern nicht heilbar gewesen sei. Doch es gebe eine Alternative: „Heute gibt es etwas, das Eltern tun können um dafür zu sorgen, dass eine solche Tragödie keinem ihrer Kinder passiert. Sie können sicherstellen, dass ihr Kind gegen Masern geimpft wird. Ich konnte das 1962 noch nicht für Olivia tun, da es damals noch keine zuverlässige Impfung gab. Heute ist eine gute und sichere Impfung für jede Familie erhältlich. Sie müssen nur Ihren Arzt danach fragen. Noch immer glauben viele Menschen nicht, dass Masern eine gefährliche Krankheit sind. Glauben Sie mir: Sie sind eine.“

Vielleicht ist die Ursache der heutigen Impfskepsis, dass wir in der glücklichen Situation sind, lange niemandem mehr dabei zusehen zu müssen, wie er an einer eigentlich vermeidbaren Krankheit leidet, womöglich Komplikationen erlebt und bleibende Schäden davonträgt oder stirbt. Denn fast alle von uns sind gegen diese Krankheiten geimpft – auf Wunsch unserer Eltern, die teilweise noch die Folgen von Kinderlähmung oder Mumps bei Mitmenschen gesehen haben. Da ist es gut, dass der Brief von Roald Dahl nun auch in England erneut veröffentlicht wurde, um uns darauf aufmerksam zu machen, wie luxuriös unsere Situation ist, doch dass wir diesen Luxus auch leicht wieder verspielen können. Und ganz sicher möchte niemand durchmachen, was die Eltern der kleinen Olivia durchmachen mussten.

Quelle: „Independent“


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