Forscher empfehlen klare Trinkverbote

Schon mit zwei Jahren sind Kinder in der Lage, alkoholische Getränke von anderen zu unterscheiden. Ab vier entwickeln sich bei ihnen erste positive oder negative Assoziationen zu Alkohol, das ergaben Untersuchungen von 2017. In einer neuen Studie haben Forscher nun die Einstellung der Eltern zum Alkoholkonsum ihrer Kinder mit deren Trinkverhalten verglichen.

„Alkoholkonsum kann problematisch sein, vor allem bei jungen Leuten“, sagt die Leitautorin der Studie, Mariliis Teal-Oeren, Forscherin an der Cambridge Universität. Für die Untersuchung hatten sie und Kollegen 23 Studien analysiert. Diese enthielten Daten von insgesamt rund 16.500 Kindern im Alter von 7 bis 18 Jahren und mehr als 15.000 Eltern aus den USA und Europa.

Die Ergebnisse zeigen zum einen, dass Kinder von Eltern mit lockerer Einstellung zum jugendlichen Alkoholkonsum öfter und exzessiver trinken. Sie fangen auch häufiger überhaupt erst an, Alkohol zu sich zu nehmen.

Die Forscher verglichen zum anderen, wie streng die Eltern auf das Trinkverhalten ihrer Kinder blickten und als wie streng die Kinder ihre Eltern wahrnahmen. Dabei stellten sie fest, dass die Kinder ihre Eltern häufig lockerer einschätzten, als die Eltern sich selbst. Das deute darauf hin, dass Kindern kaum bewusst sei, was ihre Eltern über ihren Alkoholkonsum oder den anderer Kinder denken, heißt es in der Studie.

Pubertät, Autonomie und Alkohol

Der Grund dafür sei allerdings nicht, dass die Kinder ihre Eltern grundsätzlich nicht verstünden, berichten die Wissenschaftler. Ausschlaggebend sei stattdessen eine unterschiedliche Wahrnehmung, die durch die Werte und Erwartungen der Kinder entstehe. Auch die „Ignoranz von Kindern“ spiele möglicherweise eine Rolle.

„Es ist wichtig, dass Kinder die kurz- und langfristigen Folgen des Trinkens kennen“, sagt Forscherin Teal-Oeren. „Wenn Eltern nicht wollen, dass ihre Kinder Alkohol trinken, dann müssen sie dies deutlich sagen.“

Ob tatsächlich die Einstellung der Eltern entscheidend für das Trinkverhalten der Kinder ist, kann die Studie nicht abschließend beantworten. Das Problem: Die Einstellung der Eltern und das Trinkverhalten der Kinder beeinflussen sich gegenseitig. So gehen einige Forscher davon aus, dass vielmehr der Alkoholkonsum der Kinder die Einstellung der Eltern beeinflusst – und es nicht wie hier angenommen andersherum abläuft.

Alkoholkonsum in Deutschland und Europa

In Deutschland geht der regelmäßige Alkoholkonsum der Jugendlichen in den letzten Jahren immer weiter zurück – allerdings trinken sie dafür exzessiver. In einer im Frühjahr 2019 veröffentlichten Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung gaben fast 40 Prozent der befragten jungen Erwachsenen an, innerhalb des vergangenen Monats mindestens einmal fünf oder mehr Gläser Alkohol hintereinander getrunken zu haben.

Eine europaweite Untersuchung an Schulen hatte 2015 ergeben, dass fast 50 Prozent der Befragten unter 13 schon mal Alkohol getrunken haben. Jeder zwölfte war mit 13 oder jünger schon mal betrunken.

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